Vortrag: Geschlechterverhältnisse in der Krise
siehe: Vortrag Aachen, Juli 2009
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siehe: Vortrag Aachen, Juli 2009
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Ich danke für die Einladung, auf dem Sozialforum zu sprechen, über die ich mich gefreut habe, gerade weil die Sozialforen zeigen, wie viel Kraft in den Vielen noch steckt, wie viel Fantasie frei ist, wieweit wir uns bewegen können, wenn wir uns zusammentun und weil das Wendland als Ort unter der neuen Regierung mit ihrer Politik der Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke verschärft ein Ort des notwendigen Widerstands wird.
Es geht uns um ein gutes Leben für alle. Das hört sich bescheiden an, ist jedoch, wie wir erneut in der Krise des Kapitalismus sehen, das Unverschämteste, das einem derzeit einfallen kann. Auf dem Weg dorthin gibt es enorme Hindernisse – ökonomischer, politischer, kultureller Art und schließlich solche, die in uns selbst liegen, in unseren Gewohnheiten vor allem. Mehr…
Zwischen “magischem Zentrum” des Lebens und grundlegendster Form der Ausbeutung des Menschen – die Pole, in denen über das Prinzip Arbeit gedacht und geschrieben wird, könnten nicht weiter auseinanderliegen. Für gewöhnlich nehmen AutorInnen einen Standpunkt ein mit dem unbedingten Willen, die sich auftuenden Widersprüche aus dem Weg zu räumen.
Lust und Faulheit
Doch was passiert, wenn man diese Widersprüche produktiv nutzt und sie als Ausgangspunkt des Weiterdenkens verwendet? Die linke Feministin und Soziologin Frigga Haug (Jahrgang 1937) zeigt in ihrem neuesten Werk “Die Vier-in-einem-Perspektive. Politik von Frauen für eine neue Linke” (2008), dass die Auseinandersetzung mit Widersprüchen und Grenzüberschreitungen notwendige Voraussetzung für emanzipatorisches Denken und Politik ist. Um dies zu beweisen, lässt uns die Autorin nicht nur theoretische Widersprüche aufrollen, sondern gewährt auch Einblicke in ihre Arbeitsbiographie, in der zum Beispiel Milch holen einmal das Glück auf Erden bedeutete. Es verlieh einem kleinen, neugierigen Mädchen Zugang zur Welt und Bedeutung, und doch verlor es nach einigen Widerholungen jeglichen Reiz und wurde zur (vermeidenden) Pflicht.
Diese Widersprüchlichkeit in der Selbsterfahrung von Arbeit hat das Schaffen der marxistischen Feministin und Sozialwissenschafterin dauerhaft geprägt, wie wir in dem Text “In der Arbeit zuhause sein?” nachlesen können. Nicht weniger erfahren wir darin über den Arbeitsbegriff bei Marx, dessen Satz “Arbeit als erstes Lebensbedürfnis” leichtfüßig als instrumentalisiertes Missverständnis entblättert wird oder über die Ansprüche der jungen Disziplin der kritischen Psychologie, in der erstmals Arbeit als grundlegende Dimension einer psychologischen Subjekttheorie betrachtet wurde.
Zur Person:
Aufbau
Jener Text ist nur einer in Haugs Leseband, der weit ausholt, um Konkretes zu entschlüsseln. In “Die Vier-in-einem-Perspektive” sind bereits veröffentlichte Texte bzw. Vorträge rund um die vier Kernbereiche ihrer politischen Theorie geordnet. Haug fordert darin die Verabschiedung von der Vollerwerbszeit hin zu einem vierteiligen, emanzipatorischen Lebenszeitkonzept: Zeit für Erwerbsarbeit, Reproduktion, Kultur und Politik steht damit für alle als Utopie und zugleich höchst konkret als Lebensmodell im Raum.
Vier Lebensbereiche
Als “Utopie von Frauen, die eine Utopie für alle ist” untertitelte Haug ihre Rede bei der Frauenwerkstatt der Linken in Deutschland, die sich ebenfalls im Band befindet. Ausgehend von der feministischen Einsicht, die herkömmliche Arbeitsteilung als Herrschaft zu begreifen, möchte sie genau diese verändern: Ihr Modell sieht vier Stunden Erwerbsarbeit vor, um die notwenigen “Lebensmittel” zu erzeugen und den Zugang zur Welt offen zu halten. Unter Reproduktionsarbeit versteht sie die Arbeit an sich selbst und an anderen Menschen (Kindererziehung, Familienarbeit, Altenbetreuung), die für beide Geschlechter zu gleichen Teilen gilt. Mit dem Überbegriff Kultur wird jener Zeitteil bezeichnet, der für die Entwicklung der eigenen Interessen reserviert ist und der es ermöglichen soll, das Leben nicht nur als KonsumentIn zu genießen und neue Vorstellungen von gutem Leben hervorzubringen. Schließlich ist auch noch Zeit dafür vorgesehen, um in die Gestaltung von Gesellschaft einzugreifen, also das linke Versprechen der Politik von unten zu verwirklichen.
Im Vorwort betont Haug, dass sie die Zusammenstellung als Lernprozess versteht, den sie den LeserInnen zur Nachverfolgung anbietet. Vor den vier großen Kapiteln begründet sie jeweils ihre Auswahl und kontextualisiert die Texte in ihrer politischen oder wissenschaftlichen Bedeutung. Einige der Texte sind zum Teil 30 Jahre alt, andere beschäftigen sich mit aktuellen Themen wie Hartz IV oder den Paradoxien aktueller institutionalisierter Frauenpolitik. Dazwischen finden sich auch persönliche Erfahrungen der Autorin, etwa in “Patientin im neoliberalen Krankenhaus”, wo sich das Angebot von Brustimplantaten auf Krankenkasse noch als einzig verbliebenes Zeugnis gesellschaftlichen Mitgefühls offenbart.
Kompass für politische Nahziele
Ziel der Auswahl ist es, die nötigen Grenzüberschreitungen bei der Analyse der einzelnen Teilgebiete zu veranschaulichen. Eine Erfahrung bisheriger Protestbewegungen sei es schließlich gewesen, mit dem jeweiligen Problemlösungsansatz partiell geblieben zu sein, kritisiert Haug. Und in der Politik habe die Beschäftigung mit einzelnen Politikbereichen zum Teil reaktionäre Blüten getrieben. Der integrative Ansatz von Haug wagt die “politische Kunst der Verknüpfung”: “Keiner sollte ohne die anderen verfolgt werden, was eine Politik und zugleich eine Lebensgestaltung anzielt, die zu leben umfassend wäre, lebendig, sinnvoll, eingreifend und lustvoll genießend”. An die unmittelbare Umsetzbarkeit ihrer Utopie glaubt Haug selbst nicht, sie will ihr Modell viel mehr als Kompass verstanden wissen zur “Bestimmung von Nahzielen in der Politik, (…), als konkrete Utopie, die alle Menschen einbezieht und in der endlich die Entwicklung jedes Einzelnen zur Voraussetzung für die Entwicklung aller werden kann”.
“Die Vier-in-einem-Perspektive” ist ein Lese-Buch im besten Sinn, weil es neben theoretischer Fundiertheit auch mit sprachlicher Vielfalt und Humor brilliert. Haug verknüpft persönliche Einsichten mit politischen Fragestellungen und lässt die LeserIn transparent und ohne abschottender Distanz an ihrer Denkweise teilhaben. Die Lust am (Weiter-)Denken ergibt sich bei dieser Darstellung eines Lebens aus lauter Alternativen – fast wie von selbst. (Ina Freudenschuß, dieStandard.at, 16.9.2009)
“Bermudafunk – Freies Radio Rhein Neckar”: Die Sendung am 11. Juli ist ein Mitschnitt der Veranstaltung mit Frigga Haug, die am 11.06. im Mannheimer Kunstladen stattgefunden hat.
Frigga Haug fasst Ergebnisse ihrer jahrzehntelangen Arbeit zusammen: über Umbrüche in der Arbeitswelt, bewirkt durch Hochtechnologie, über die Ursachen von Frauenunterdrückung, über Fragen der kulturellen Selbstentfaltung und die Versuche, linke Politik zu machen.
siehe: Vortrag Manheim, Juni 2009
Vortrag von Frigga Haug zur Vier in einem Perspektive und Teilzeitarbeit für alle inkl. einer Einführung in revolutionäre Realpolitik in Anlehnung an Rosa Luxemburg; anschließend Diskussion.
siehe: Vortrag Kiel, Juni 2009
Frigga Haug rückt in ihrem Buch „Die Vier-in-einem-Perspektive“ die Utopie einer gerechten Verteilung von Erwerbsarbeit, Familienarbeit, Gemeinwesenarbeit und Entwicklungschancen ins Zentrum der Betrachtung.
In den sechs Kapiteln „Entwurf“, „Erwerbsarbeit“, „Reproduktionsarbeit“, „Kulturelle Entwicklung“, „Politik von unten“ und „Nachträgliche Fundierung“ widmet sie sich u.a. folgenden Themen:
Zur Autorin:
Frigga Haug war bis 2001 Professorin an der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik. Sie ist Mitherausgeberin und Redakteurin der Zeitschrift Das Argument, Redakteurin des Historisch-Kritischen Wörterbuchs des Marxismus und des Forum Kritische Psychologie. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Politik, Arbeit, weibliche Vergesellschaftung und Frauenpolitik, sozialwissenschaftliche Methoden und Lernen. (Quelle: Argument Verlag)
| 17. Juni 2009 | ||
| 18:00 | bis | 20:00 |
Institut für Pädagogik, Olshausenstr. 75, 24098 Kiel, Gebäude 2, Raum 23, weitere Infos: http://akkiel.blogsport.de oder per Mail an: ak.unikiel@googlemail.com
| 11. Juni 2009 | ||
| 20:00 | bis | 22:00 |
Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Rosa-Luxemburg-Forum für Bildung und Analyse Baden-Württemberg e.V. und der Anarchistischen Gruppe Mannheim Zum Verhältnis von Gender und Ökonomie.
Kunstladen, Mittelstraße 25 · 68169 Mannheim · Telefon: 0621 402406 (www.kunstladen-mannheim.de), Veranstalter: Rosa-Luxemburg-Forum Baden-Württemberg (www.rlf-bw.de), Tel. 07 11-693 66 07.
| 25. April 2009 | ||
| 13:00 | bis | 17:00 |
zum Start eines Projektes mit dem Arbeitstitel
am 25.4.2009, von 13 h bis 17 h, in den Niedersachsenhof in Verden, Lindhooper Str. 97, 27283
Verden/Aller, Tel. 04231/666-0
Liebe Genossinnen und Genossen,
Wir wollen den auf unserer Tagung „Hier ist die Linke … in Sachen Frauenpolitik“ begonnenen Diskussionsprozess fortsetzen.
„Teilzeitarbeit für alle“ ist eine provozierende Zuspitzung der Vier-in-einem-Perspektive, wie sie
von Frigga Haug als Utopie von Frauen, die eine Utopie für alle ist, formuliert worden ist (eine
Kurzfassung im Anhang); sie soll uns Impulse für kontroverse Diskussionen vom Standpunkt einer
Gesellschaft aus geben, die es noch nicht gibt.
Wir denken, dass linke Politik beides braucht: aktuell mit schlagkräftigen Argumenten und Aktionen
gegen alles Widerstand zu leisten, was ungerecht ist, die Gesellschaft spaltet und die Gefahr eines
rechtsradikalen Konsenses als Ausweg aus der gesellschaftlichen Krise, in der wir uns befinden,
herausbeschwört; aber wir müssen gerade als Linke unsere Vorstellungen einer anderen, einer
solidarischen Gesellschaft diskutieren und daraus Kraft für Veränderung gewinnen. Als linke
feministische Partei ist es unabdingbar, dass die Frage der (zukünftigen) Geschlechterverhältnisse
darin einen zentralen Stellenwert einnimmt.
Wir stehen vor Wahlkämpfen in einer Zeit dramatischster Krisenentwicklungen, die uns als Linke ganz
besonders herausfordert. Wir wollen die Herausforderung mit dem Blick aus der Vier-in-einem-
Perspektive annehmen. Das Projekt Teilzeitarbeit für alle wäre ein konkreter Schritt in diesem
Zusammenhang. Wir wollen seinen Start deshalb an die Frage knüpfen, ob und wie wir den
provokativen Slogan für aktuelle Wahlkampfaktivitäten nutzen können.
Wir brauchen für all das eine Struktur, die uns satzungsmäßig an die Partei bindet und zugleich Raum
für eine solche Projektarbeit gibt.
Wir schlagen deshalb die Gründung einer Landesarbeitsgemeinschaft „Vier-in-einem-
Perspektive“ vor.
Wir hoffen, viele von Euch für dieses Projekt gewinnen zu können.
Vorschlag für die Tagesordnung
1. Begrüßung
2. Kurze Vorstellung der Vier-in-einem-Perspektive
3. Formale Struktur der Projektarbeit – Gründung einer LAG?
4. Teilzeitarbeit für alle – Diskussion des Projekt-Konzeptes
5. Wahlkampf-Werkstatt
6. Weitere Arbeitsplanung
7. Verschiedenes
Solidarische Grüße
Iris Gramberg
Jutta Meyer-Siebert
| 7. März 2009 | ||
| 15:00 | bis | 18:00 |
Cottbus, AG Arbeit und soziale Gerechtigkeit der Linkspartei Cottbus.
| 26. Februar 2009 |
Stuttgart, Rosa Luxemburg Gesellschaft
Frigga Haugs Vier-in-einem-Perspektive eröffnet nicht nur einen Blick auf die Möglichkeiten einer Lebensgestaltung, die bewusst mit Pluralität umgeht und sie genauso emanzipatorisch wie solidarisch handhabt, sie kann auch mit einem neuartigen Entwurf einer anderen Wirtschaftsweise und Eigentumsstruktur verbunden werden. Dieser Entwurf entginge der überholten Dichotomie von Planwirtschaft vs. Marktwirtschaft und würde erstens nach den unterschiedlichen Potentialen verschiedener Wirtschafts- und Eigentumsformen fragen. Er würde zweitens die Möglichkeiten ihrer solidarischen Verknüpfung untersuchen. In der Generalisierung einer Vier-in-einem-Perspektive können sich Horizonte einer Neubegründung des Sozialismus auftun. Mehr…
| 19. März 2009 | ||
| 19:00 | bis | 21:00 |
Wien, Uni Wien
in Kooperation mit GRAS
| 13. März 2009 |
Berlin, Die Linke-Berlin-Marzahn, genauer Ort folgt
Online abrufbar ist die Sendung Frauenforum auf NDR-Info vom 16.11.2008. Zuerst kommt ein Beitrag zum Thema “Scheidung” und nach etwa einem Drittel folgt ein Interview mit Frigga Haug zur 4 in 1 Perspektive.
In Stellung gebracht werden Sonja Bischoff (ex HWP) und eine Unternehmerin. Die Utopie, die auch andere Bedingungen braucht, wird dabei von Beiden auf eine Folie vom Jetzt gespannt und als nicht passend abgetan. Der Moderatorin scheint dies merkwürdigerweise nicht aufzufallen. Oder sie wollte es so.
In der nächsten Nummer von Socialism and Democracy, USA, erscheint die Vier-in-einem-Perspektive auf Englisch – November 2008
Frigga Haug
Die Vier-in-Einem-Perspektive
Eine Utopie von Frauen, die eine Utopie für alle ist
Bei den folgenden Überlegungen geht es um Gerechtigkeit bei der Verteilung von Erwerbsarbeit, Familienarbeit, Gemeinwesensarbeit und Entwicklungschancen. Lange Zeit wurden politische Projekte in diesen vier Bereichen getrennt verfolgt. Funktion dieses Beitrags ist es, einen Kompass zu liefern, der für die unterschiedlichen Projekte auf einen Zusammenhang orientiert und in dieser Bündelung wahrhaft kritisch, ja revolutionär ist, während jedes für sich genommen früher oder später zu versanden pflegt. Mehr…