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	<title>Die Vier-in-einem-Perspektive</title>
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	<description>Politik von Frauen für eine neue Linke</description>
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		<title>Vortrag: Feminismus, Sozialismus und Utopie</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Nov 2009 22:21:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mediathek]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenbewegung]]></category>
		<category><![CDATA[Marxismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Wohin ging die Erbschaft aus der verschwundenen Frauenbewegung?
Versuch einer Wiederaneignung in feministischer Perspektive
siehe: Vortrag Marburg, Oktober 2009
Vortrag:

Download

Oberhessische Presse, Freitag, 30. Oktober, S. 2
Feministin: Schlagkräftige Frauenbewegung fehlt
Frigga Haug referiert zum Auftakt der Vortragsreihe &#8220;Gender Lectures&#8221; in der Marburger Universität

Die „Grand Dame“ des marxistischen Feminismus zu Besuch in Marburg: Frigga Haug, eremitierte Professorin für Soziologie an der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h5>Wohin ging die Erbschaft aus der verschwundenen Frauenbewegung?<br />
Versuch einer Wiederaneignung in feministischer Perspektive</h5>
<p>siehe: <a href="http://www.vier-in-einem.de/index.php/2009/07/22/feminismus-sozialismus-und-utopie/">Vortrag Marburg</a>, <strong>Oktober 2009</strong></p>
<p>Vortrag:</p>
<p style="text-align: center;"><img src="http://www.vier-in-einem.de/wp-content/plugins/flash-video-player/default_video_player.gif" /><br />
<a href="http://www.vier-in-einem.de/wp-content/uploads/Marburg09.mp3">Download</a></p>
<p></p>
<pre>Oberhessische Presse, Freitag, 30. Oktober, S. 2</pre>
<h3>Feministin: Schlagkräftige Frauenbewegung fehlt</h3>
<h5>Frigga Haug referiert zum Auftakt der Vortragsreihe &#8220;Gender Lectures&#8221; in der Marburger Universität</h5>
<p><span><img class="image-left alignleft" title="Frigga Haug" src="/wp-content/uploads/haug-mini.png" alt="Frigga Haug" width="150" height="200" /></span></p>
<p>Die „Grand Dame“ des marxistischen Feminismus zu Besuch in Marburg: Frigga Haug, eremitierte Professorin für Soziologie an der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik, erörterte am Dienstagabend in der Philipps-Universität die Frage „Wohin ging die Erbschaft der verschwundenen Frauenbewegung?“. Rund 200 Interessierte waren zu dem Vortrag der aktiven Feministin und Sozialistin Haug gekommen, der zugleich den Auftakt der Veranstaltungsreihe „Gender Lectures“ des Zentrums für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung der Philipps-Universität bildete: Unter dem Titel „Kritik – Emanzipation – Utopie“ werden in diesem Rahmen im Laufe des Wintersemesters ausgewiesene Expertinnen zentrale Fragestellungen des Feminismus und der Gender Studies behandeln. Frigga Haug steht dabei für eine marxistische Strömung des Feminismus; die 72jährige habe sich stets bemüht, „den Linken den Feminismus und den Feministinnen linke Perspektiven beizubringen“, wie es Ingrid Kurz-Scherf, Professorin am Institut für Politikwissenschaft und geschäftsführende Direktorin des Zentrums für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung umschrieb.<span id="more-732"></span></p>
<p>Haug lieferte in ihrem Vortrag eine Interpretation der Gründe für den Niedergang des Feminismus und der Frauenbewegung: Einerseits seien in der öffentlichen Debatte Zerrbilder von den „lustfeindlichen Lila-Latzhosenträgerinnen“ produziert worden. Feminismus sei für junge Frauen somit kein attraktives Projekt, eher „der Apfel, den man nicht essen sollte“. Andererseits hieße es landläufig, Frauen hätten angesichts ihrer starken Präsenz in Talkshows etc. die Macht sowieso bereits übernommen. Haug hielt diesen Zerrbildern Zahlen von UniFem entgegen, die eine andere Realität offenbaren: Das Verhältnis von Männern und Frauen an Regierungen fiele weltweit mit 4:1 enttäuschend aus, die Unterdrückung der Frauen bestehe global weiter fort, etwa 2/3 aller Frauen würden weltweit im Laufe ihres Lebens Opfer von sexueller Gewalt. Trotz der globalen Missstände existiere aber keine schlagkräftige Frauenbewegung mit sozial-emanzipatorischen Ansprüchen mehr – diese sei vielmehr beerbt worden durch nicht-linke Strömungen wie dem „konservativen Feminismus“ einer Familienministerin v. d. Leyen oder der ehemaligen TV-Sprecherin Eva Hermann, sowie dem „Elitefeminismus“, vertreten durch die Journalistin Thea Dorn, welcher Leistungsfähigkeit, Selbstbewusstsein und Individualisierung von Frauen beschwöre und somit dem Neoliberalismus in die Hände gespielt habe. Die Frauenbewegung habe aber immer mehr gewollt als „nur Gleichstellung“ – sie habe für eine andere Gesellschaft gekämpft. Gegen das derzeitig vorherrschende kapitalistische Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell, das nur Arbeit im Produktionssektor als solche anerkennt und den Bereich von Hausarbeit und Pflege abwertet, schlug Haug ein Alternativ-Modell vor, welches sie in ihrem Buch „Die 4-in-einem-Perspektive“ ausbuchstabiert hat: Mit der Forderung „Teilzeitarbeit für alle“ hätten die Menschen größere Möglichkeiten, sich der Haus- und Familienarbeit, kreativen und genießerischen Tätigkeiten, und nicht zuletzt politischen Aktivitäten zu widmen.</p>
<p>Organisatorinnen und Beteiligte der Veranstaltung sind gespannt, ob und wie sich diese Vision der feministischen Marxistin Haug mit den Ideen der anderen Wissenschaftlerinnen zusammenbringen lassen, die zu den „Gender Lectures“ in diesem Wintersemester geladen sind: Am 12.01.2010 spricht Prof. Dr. Andrea Maihofer (Univeristät Basel) über „Prekarität feministischer Kritik“, am 26.01.2010 Prof. Dr. Cornelia Klinger (Universität Tübingen) über „Unzeitgemäße Betrachtungen über die Möglichkeit einer Theorie des Patriarchats“ und am 02.02.2010 Prof. Dr. Barbara Holland-Cunz (Universität Gießen) über „Krisen und Utopien“. Die Vorträge sind öffentlich und finden um 20h c.t. im HS 207 im Hörsaalgebäude, Biegenstraße 14, statt.</p>
<p>Text: Eva Berendsen</p>
<p>Quelle: <a href="http://www.uni-marburg.de/genderzukunft/studium/gl0910/haug_presse">http://www.uni-marburg.de/genderzukunft/studium/gl0910/haug_presse</a></p>
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		<title>Vortrag: Geschlechterverhältnisse in der Krise</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Nov 2009 18:03:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[4in1]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenbewegung]]></category>
		<category><![CDATA[Linke]]></category>
		<category><![CDATA[Vortrag]]></category>

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		<description><![CDATA[siehe: Vortrag Aachen, Juli 2009
Vortrag:

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Diskussion:

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			<content:encoded><![CDATA[<p>siehe: <a href="http://www.vier-in-einem.de/index.php/2009/07/22/geschlechterverhaltnisse-in-der-krise/">Vortrag Aachen</a>, <strong>Juli 2009</strong></p>
<p>Vortrag:</p>
<p style="text-align: center;"><img src="http://www.vier-in-einem.de/wp-content/plugins/flash-video-player/default_video_player.gif" /><br />
<a href="http://www.vier-in-einem.de/wp-content/uploads/AachenerVortrag09-10-10.mp3">Download</a></p>
<p>Diskussion:</p>
<p style="text-align: center;"><img src="http://www.vier-in-einem.de/wp-content/plugins/flash-video-player/default_video_player.gif" /><br />
<a href="http://www.vier-in-einem.de/wp-content/uploads/AachenerDiskussion09-10-10.mp3">Download</a></p>
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		<title>Ein gutes Leben</title>
		<link>http://www.vier-in-einem.de/index.php/2009/10/ein-gutes-leben/</link>
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		<pubDate>Fri, 30 Oct 2009 19:45:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[4in1]]></category>
		<category><![CDATA[Teilzeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Teilzeitarbeit für alle – eine zeitgemäße Unterwanderung gewohnter Vorstellungen und eingerosteter Identitäten &#8211; Rede zur Eröffnung des 3. Deutschen Sozialforums

Ich danke für die Einladung, auf dem Sozialforum zu sprechen, über die ich mich gefreut habe, gerade weil die Sozialforen zeigen, wie viel Kraft in den Vielen noch steckt, wie viel Fantasie frei ist, wieweit wir [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h6>Teilzeitarbeit für alle – eine zeitgemäße Unterwanderung gewohnter Vorstellungen und eingerosteter Identitäten &#8211; Rede zur Eröffnung des 3. Deutschen Sozialforums</h6>
<p></p>
<p>Ich danke für die Einladung, auf dem Sozialforum zu sprechen, über die ich mich gefreut habe, gerade weil die Sozialforen zeigen, wie viel Kraft in den Vielen noch steckt, wie viel Fantasie frei ist, wieweit wir uns bewegen können, wenn wir uns zusammentun und weil das Wendland als Ort unter der neuen Regierung mit ihrer Politik der Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke verschärft ein Ort des notwendigen Widerstands wird. </p>
<div>
<p>Es geht uns um ein gutes Leben für alle. Das hört sich bescheiden an, ist jedoch, wie wir erneut in der Krise des Kapitalismus sehen, das Unverschämteste, das einem derzeit einfallen kann. Auf dem Weg dorthin gibt es enorme Hindernisse – ökonomischer, politischer, kultureller Art und schließlich solche, die in uns selbst liegen, in unseren Gewohnheiten vor allem.<span id="more-659"></span></div>
<div>
<p><strong>Arbeit ist in Verruf gekommen</strong></p>
<p>„Die Gesellschaft findet nun einmal nicht ihr Gleichgewicht“, schreibt Marx 1875 im Nachwort zu Enthüllungen über den Kommunisten-Prozess zu Köln, „bis sie sich um die Sonne der Arbeit dreht.“</p>
<p>Dass die kapitalistische Gesellschaft im Ungleichgewicht ist, sieht jede, selbst wenn sie selbst noch die Balance halten kann. Aber der Satzteil mit der Sonne der Arbeit rutscht widerborstig herunter und liegt schwer im Magen. Er ruft Erinnerungen an Arbeiterlieder wach, &#8211; alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will – seltsam deplaziert, wo der Tastendruck oder der Touch regiert, ohne Stärke, fast schwerelos. Zudem ist Arbeit lange schon vielfach in Verruf gekommen, mehr Last und Mühe als Freude und Genuss, also eher dunkel als hell. Und doch gibt es ein Echo tief in uns, dass „die Sonne der Arbeit“ die Kämpfe der Arbeiterbewegung weit überschreitet, ja in der Wirklichkeit auf das Gesamtprojekt der Menschwerdung zielt – als gemeinsame Tätigkeit. In der Arbeit betätigen sich Menschen, schaffen sich selbst, genießen das Leben, befriedigen ihre Bedürfnisse und entfalten ihre Liebesfähigkeit. So konkret sich solche Bestimmungen anhören, so abstrakt erscheinen sie angesichts der Entwicklung der Arbeit unter kapitalistischen Bedingungen und vor allem unserer gegenwärtigen Lage.</p>
<p>„Die Geschichte“, schreibt Antonio Labriola (1998) könnte „in einem Trauerspiel als Tragödie der Arbeit dargestellt werden.“</p>
<p>Was die Menschen als gemeinsame Arbeit beginnen, ja ihre eigene Entwicklung wendet sich gegen sie, verstärkt die Herrschaft über sie, je reicher sie werden, desto mehr fallen sie in Armut. Im Laufe der Geschichte gestalten die Menschen nicht immer selbstbewusster ihre gemeinsame gesellschaftliche Arbeitskraft, umgekehrt überfällt das von Menschen Geschaffene hinterrücks die Einzelnen, als hätten sie nichts damit zu tun. Wir können eine lange Reihe solcher absurder Formulierungen sprechen und historisch begründen.</p>
<p>Denn in der Arbeit kreuzen sich Herrschaft und Befreiung, Mühsal und Genuss, Entfremdung und Selbstverwirklichung, Entwicklung und Nichtentwicklung, Notwendigkeit und Freiheit.</p></div>
<div>
<p><strong>Zu wenig Arbeit?</strong></p>
<p>„Unserer Gesellschaft geht die Arbeit aus“, rufen seit etwa 25 Jahren die Sozialwissenschaftler als handle es sich um ein Bergwerk, das erschöpft ist. Sie bemühen sich, einen Gesellschaftszusammenhalt anders zu finden, nicht über Arbeit, sondern vielleicht über Kommunikation oder über den Konsum und so das Trauerspiel in einem Wellnesscenter zu beenden. Das ist zwar Mainstream-Theorie, scheint sich aber praktisch zu bewahrheiten. Denn inzwischen lehrt uns die Weltwirtschaftskrise das Fürchten. Die Meldungen über mehr und mehr Arbeitslose – täglich mehrere Tausend – füllen die Nachrichten, Angst schleicht sich in die Herzen der Vielen. Wann wird es uns treffen? Verzweifelt versucht man sich an den Arbeitsplatz, soweit noch vorhanden, zu klammern, alle weiterreichenden Wünsche zu vergessen und ist bereit zu vielem.</p>
<p>Wo immer wir hinsehen, zeigen sich uns die Dinge doppelköpfig. Denn Arbeitslosigkeit ist ja nicht einfach ein Mangel und Anzeiger für Armut, Beleg, dass das Bergwerk leer ist. Sie ist nach der anderen Seite hin nichts anderes als der Nachweis, dass sich die Produktivkräfte der Arbeit soweit entwickelt haben, dass wir die notwendige Arbeitszeit für das Überleben erheblich reduzieren können, sie zeigt also Reichtum an -, freilich nicht für diejenigen, die arbeitslos werden. Wenn gesellschaftlich weniger Arbeit für das Notwendige gebraucht wird, wären die Menschen freigesetzt, endlich die vielen Tätigkeiten aufzunehmen, zu denen aus purer Not in der Form der Überarbeit bislang die Zeit nicht reichte. Dass sich die Menschen des Wenigerwerdens von notwendiger Arbeit nicht freuen können, dafür sorgt wiederum ihre kapitalistische Formbestimmung als Lohnarbeit. Nur wer sich seine acht Stunden oder mehr zur Verfügung stellt, kann auf Anerkennung, entsprechende Entlohnung, Wertschätzung, Teilhabe hoffen.</p>
<p>So bedeutet Arbeitslosigkeit eine Freisetzung als Beraubung, eine Tragödie diesmal für die Arbeitenden.</p>
<p>Wir gehen davon aus, dass wir inzwischen nurmehr ein Bruchteil an Arbeitsstunden für die gleichen Produkte einsetzen müssen und bei gewachsenem Niveau an Lebensstandard jedenfalls weit weniger als die Hälfte – und dass dies auch weltweit durchsetzbar wäre, da sich die Produktivkräfte und das nötige Know-how in absehbarer Zeit verallgemeinern ließen.</p>
<p><strong>Kein Aufschrei</strong></p>
<p>In dieser Situation fordert die bundesdeutsche Regierung eines der reichsten Länder, das insbesondere in bittere Armut gefallen zu sein scheint, eine Verlängerung der wöchentlichen und vor allem auch der Lebensarbeitszeit mit der Behauptung, so Arbeitsplätze zu sichern. Die Widersinnigkeit dieser Behauptung ist so offensichtlich, dass Angst und Verzweiflung die Menschen taub und stumm gemacht haben müssen, dass sie nicht weithin hörbar aufschreien.</p>
<p>Dabei hält die Regierung fest an einem Arbeitsmodell, das von einem Acht-Stundentag ausgeht, ohne dass für alle ein solcher Arbeitsplatz vorgesehen ist. Und auch jetzt gibt es keinen Aufschrei im Land, sondern weiter beherrscht Einschüchterung das Feld, die die Einzelnen dazu bringt, zu hoffen, die Regierung wisse schon, was in der Krise zu tun sei. Dies wider alle Erfahrung.</p>
<p>Die lange Zeit von Hartz IV hat zudem ein Flachland an Resignation und Lähmung hervorgebracht, allenfalls unterbrochen von trotzigen Rufen einiger weniger, dass Arbeitslosigkeit ja das Recht auf Faulheit gewähre. Die Rufe werden in der Bedrohtheit durch die Krise leiser. Solidarität schrumpft. Rette sich wer kann.</p>
<p><strong>Menschen in Bewegung bringen</strong></p>
<p>Wie können und wollen wir in dieser Lage Politik machen? Wir agieren aus der Position der Schwäche, aus dem Nicht-mainstream. Wir können andere nicht überzeugen, wenn sie es nicht selber tun. Wir wollen Menschen zum Nachdenken, in eine Bewegung bringen, die sie selber wollen können.</p>
<p>Was wäre jetzt die im Titel versprochene Unterwanderung von festgefahrener Politik, von gewohnten Vorstellungen, eingerosteten Identitäten, von Ungleichheiten und Ungerechtigkeit?</p>
<div>
<p>Die Formulierung bezieht uns alle ein, und wie wir uns in den Verhältnissen eingerichtet haben. Wie wir dann Losungen schmieden, etwa nach dem Recht aller auf einen Vollzeiterwerbsarbeitsplatz. Oder, – wenn wir das nicht haben können, was ja jedermann weiß, wenn er einmal auf die Entwicklung der Produktivkräfte geblickt hat, bzw. durchrechnete, wie viel Zeit gebraucht wurde vor wenigen Jahrzehnten noch, als wir schon um die 38-Stundenwoche stritten, ein Auto zu bauen, wie wenig es jetzt ist, wie viele Autos schon überflüssig da sind, wie ökologisch schädlich sie sind usw. – wenn wir dann die Richtung ändern und statt des Arbeitsplatzes wenigstens ein Grundeinkommen fordern. Eine bescheidene Forderung, die nurmehr ums bloße Überleben streitet und in einer entwickelten Gesellschaft darum ringt, dass alle ein Dach über dem Kopf haben und die Mittel für eine minimale Existenz, ohne demütigender Kontrolle unterworfen zu werden.</p></div>
<div>
<p>Es ist mir zu bescheiden. Es fordert kaum zum Umdenken heraus. Es trifft uns nicht in unseren gewordenen Sicherheiten. Es erscheint vielmehr als eine Fortsetzung der seit dem Mittelalter gewährten Almosen und Armenspeise, der Wohlfahrt von oben. Eingreifender, weil verknüpft mit den Mindesterwartungen an eine Zivilgesellschaft, scheint mir die Forderung von Rosa Luxemburg, dass „die sozialen Garantien des Lebens selbstverständlich“ sind für alle, damit sie überhaupt in der Lage sind, sich um die lebenswerten und notwendigen Bereiche des Lebens zu kümmern, sich in die Politik einzumischen.</p>
<p><strong>Die Losung</strong></p>
<p>Wir wäre es jetzt mit der Losung: Teilzeitarbeit für alle. Die Losung muss zunächst auf den empörten Widerstand der meisten treffen, vor allem derjenigen, die noch einen Vollzeitarbeitsplatz haben, auf den sie sich eingerichtet haben im Zeitverbrauch, in häuslicher Arbeitsteilung, im Lebensstandard. Lange wurde zudem gewerkschaftlich gegen Teilzeitarbeit gekämpft. Weitgehend erfolglos, sie breitet sich aus – wir kennen die Zahlen – 70 Prozent der Teilzeitarbeitsplätze haben Frauen inne. Das macht ihren Ruf noch schäbiger. Teilzeitarbeit, das ist Armut, Ausweglosigkeit, es gibt kaum Sicherheit und schon gar keine Aufstiegsmöglichkeiten. Teilzeit arbeiten heißt nicht nur, keiner ernsthaften Arbeit nachzugehen, es heißt auch, als Gesellschaftsmitglied versagt zu haben. Soll also solche Politik das Elend der Teilzeitarbeiterinnen für die gesamte Gesellschaft beschwören? Jeder weiß, mit so wenig Einkommen kann keine auskommen, sodass sich weitere negative Einschätzungen an diese billigen Jobs heften: Zuverdienerin zum Beispiel oder gar das Ressentiment, dass Teilzeitarbeit sich jemand nur leisten kann, die zugleich andere für sich arbeiten lässt.</p></div>
<div>
<p>So schrieb jemand typisch für viele als Kommentar zur Arcandor-Pleite: &#8220;Wenn Frauen 70 Prozent aller Niedrigjobs übernehmen, spricht dies nicht gerade für die Bereitschaft berufliche Verantwortung zu übernehmen, sondern eher für die Möglichkeit sich den Luxus leisten zu können, etwas für sich hinzuzuverdienen und ansonsten den Partner für sich arbeiten zu lassen. Abgesehen davon übernehmen Männer 70 Prozent aller Überstunden und 100 Prozent aller lebenszeitverkürzenden Jobs.&#8221; (<em>Tageszeitung</em>, 9.6.09)</p>
<p>Schlechter Ruf, zu wenig Geld, keine Sicherheit, keine Anerkennung, keine Aufstiegsmöglichkeiten – kurz Teilzeitarbeit scheint auf den ersten Blick genau das, was wir nicht wollen. Arbeit als sinnloser Job, bloße Kräfteverausgabung gegen ein kleines Entgelt – Restarbeiterinnen im System.<br />
Wie wäre es, die geringe Achtung, die die Teilzeitarbeit hat, auf die Vollzeitarbeit zu verschieben – und die Kraft darauf zu richten, die Minderwertigkeit der Teilzeit zu ersetzen zunächst durch Aufwertung und Erkämpfung aller Rechte.</p>
<p><strong>Der neue Arbeitstag</strong></p>
<p>Einmal in Bewegung gekommen, können sich alle daran setzen, sich einen neuen Arbeitstag anzuprobieren. Wie wäre es, wenn man in der herkömmlichen Erwerbsarbeit nur mehr vier Stunden zubrächte und über die freigewordene Zeit selbst verfügen könnte, statt andere einseitige Verfügung zuzulassen. Das Leben ist mehr als Erwerbsarbeit – ihre Bedeutung gehört abgewertet. Das Miteinander, die Aufeinander – Angewiesenheit braucht unbedingt mehr Zeit – nennen wir sie Zeit für Kinder, Alte, Nächste, Freunde und für alles Lebendige um uns, das mehr und mehr verkommt. Dass wir das nicht so ohne Weiteres verschieben können, stößt auf die politökonomische Grenze der Kapitalverhältnisse – noch lassen sich größere Profite erringen, wenn weniger Menschen länger arbeiten, und ihre Leben ganz den Kompetenzen, die es auch zum Profitmachen braucht, verschreiben.</p>
<p>Aber wir könnten als anzustrebendes Ziel uns vorstellen und einfordern, dass auf jedem Vollzeitarbeitsplatz zwei Menschen sich die Arbeit teilen. Das erledigt sogleich das Problem der Arbeitslosigkeit, wir hätten dann mehr Arbeitsplätze als Menschen, die sich darauf bewerben – so können wir uns auch endlich der Qualität der Arbeiten und ihrer Angemessenheit an menschlichen Fähigkeiten und ihrer Entwicklung zuwenden.</p>
<p><strong>Politik um Arbeit</strong></p>
<p>Die neuen Halbzeit-Arbeitsplätze sollten langfristig am besten quotiert sein nach Geschlecht, das bringt die unterschiedlichen Erfahrungen humanisierend ein. Gemeinsam kann die Qualität der Erwerbsarbeit verbessert werden. Es sollen gute Arbeitsplätze sein und ihr Zuschnitt nicht so, dass alles Schlechte auf einem Haufen landet, auf dem anderen nur das qualifizierte, herausfordernde Kreative. Es ist klar, dass es für einen anderen Zuschnitt der Arbeiten ebenso die Zustimmung aller braucht wie eine Politik um Arbeit, die dies verfolgt. Solche Veränderung der Arbeitsteilung braucht die Veränderung der beteiligten Personen, Selbstveränderung, die man selbst in die Wege leitet.</p>
<p>Die außergewöhnliche Humanisierung, die so in die Einzelarbeiten käme, setzt sich fort in der Zuständigkeit aller für alle Lebensreproduktion, welches ja die Entfaltung sozialer Fähigkeiten bedeutet. Veranschlagen wir dafür weitere vier Stunden. Es ist nicht einzusehen, warum solche Menschlichkeit nur dem weiblichen Geschlecht zukommen soll. Es betrifft ebenso alle Männer im Sinne einer Bereicherung.</p>
<p><strong>Es ist ein Experiment</strong></p>
<p>Da Ökonomie und Politik gegen solche Verschiebung an den alten jetzt in große Krise geratenen Verteilungen festhalten wollen, liegt es unmittelbar auf der Hand, dass die Einrichtung der Gesellschaft, was wir Politik nennen wollen, von allen gelernt und gemacht werden muss. Es ist ein Experiment. Dafür brauchen wir weitere vier Stunden, um die verfahrenen und in einer Sackgasse steckende Gesellschaft in eine lebendige demokratische Gemeinschaft zu verwandeln.</p>
<p>Und jetzt erst, nachdem diese gesellschaftlich notwendigen Dinge geordnet sind, können wir auch daran gehen, die Träume unserer Jugend, das, was in uns schlummert, in die Wirklichkeit zu bringen und in Muße und Genuss, in Anstrengung und Freundlichkeit uns selbst als Zweck setzen.</p>
<p><strong>Die neue Vollzeit ist Teilzeit</strong></p>
<p>In dieser vier-in-einem-Perspektive wird selbstverständlich klar, dass Teilzeitarbeit für alle die unbedingte Losung ist . Sie ist selbst ein Lernprozess, eine Herausforderung an uns alle, die uns zum Nachdenken über unsere Gewohnheiten und Vorurteile anstiftet, die sogleich eine Selbstveränderung in Gang setzt, die uns bewusst macht, dass wir ein anderes Zeitregime für unsere Lebensweise brauchen, das wir gemeinsam erstreiten. Formulieren wir die Forderung jetzt um in die einfache Forderung nach radikaler Verkürzung der Erwerbsarbeitszeit, der jeder mit Kraft und Leidenschaft zustimmen kann, weil wir die anderen Stunden brauchen für die Freiheit einer bewussten Verfügung über ein gemeinsames Humanisierungsprojekt, in dem klar ist, dass es keine Herabwürdigung des Lebens und der Personen ist, einer Teilzeitarbeit nachzugehen, sondern die derzeit einzige Möglichkeit ihrer Würdigung als Menschen. Teilzeit ist die neue Vollzeit, womit beide Begriffe aufgehört haben, etwas sinnvoll zu bezeichnen und beständig zu sein. An ihre Stelle rückt die Forderung nach einem menschlichen Leben mit Zeit für die Erledigung des Notwendigen, des sich Kümmerns um Leben und seine Bedingungen, um die eigene Entwicklung und die notwendige Muße, um die politische Gestaltung und Einrichtung der Gesellschaft.</p>
<p><strong>Teilzeitarbeit für alle</strong> ist eine Losung, die ständig beraten werden will. Sie ändert das gültige Zeitregime, sie löst das Problem der Arbeitslosigkeit, sie zielt auf Frauengleichstellung, auf die Verbesserung der Arbeiten, auf das Ziel eines guten Lebens. Es wird ein langer Weg, setzen wir uns zusammen und fangen wir an.</div>
</div>
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		<title>Medien im Oktober 09</title>
		<link>http://www.vier-in-einem.de/index.php/2009/10/neue-artikel-im-oktober/</link>
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		<pubDate>Wed, 07 Oct 2009 08:11:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Informationen]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension & Rezeption]]></category>

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		<description><![CDATA[Artikel mit Bezug zur Vier-in-einem-Perspektive:
Zeitschrift Luxemburg: Gut leben. Abschied von der »Macho-Ökonomie«
Mädchenmannschaft: Das bedingungslose Grundeinkommen: Chancen und Risiken aus feministischer Sicht
iz3w &#8211; informationszentrum 3. Welt &#8211; Ausgabe Nr. 314 &#8211; September/Oktober 2009:  Rezension über &#8220;Die Vier-in-einem-Perspektive&#8221;
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Artikel mit Bezug zur Vier-in-einem-Perspektive:</p>
<p><strong>Zeitschrift Luxemburg: </strong><a href="http://www.zeitschrift-luxemburg.de/?p=207" target="_blank">Gut leben. Abschied von der »Macho-Ökonomie«</a><br />
<strong>Mädchenmannschaft: </strong><a href="http://maedchenmannschaft.net/das-bedingungslose-grundeinkommen-chancen-und-risiken-aus-feministischer-sicht/" target="_blank">Das bedingungslose Grundeinkommen: Chancen und Risiken aus feministischer Sicht</a><br />
<strong>iz3w</strong> &#8211; informationszentrum 3. Welt &#8211; Ausgabe Nr. 314 &#8211; September/Oktober 2009: <a href="http://www.iz3w.org/iz3w/Rezensionen/Sachbuch/314magg.html"> Rezension über &#8220;Die Vier-in-einem-Perspektive&#8221;</a></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Immer diese Widersprüche</title>
		<link>http://www.vier-in-einem.de/index.php/2009/09/622/</link>
		<comments>http://www.vier-in-einem.de/index.php/2009/09/622/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 18 Sep 2009 12:06:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rezension & Rezeption]]></category>
		<category><![CDATA[4in1]]></category>

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		<description><![CDATA[Quelle: diestandard.at
16. September 2009, 18:49

Mit der Textsammlung &#8220;Die Vier-in-einem-Perspektive&#8221; hat die marxistisch-feministische Soziologin Frigga Haug ihrem (Arbeits-)Zeitmodell ein sehr lesenswertes Denkmal gesetzt

Zwischen &#8220;magischem Zentrum&#8221; des Lebens und grundlegendster Form der Ausbeutung des Menschen &#8211; die Pole, in denen über das Prinzip Arbeit gedacht und geschrieben wird, könnten nicht weiter auseinanderliegen. Für gewöhnlich nehmen AutorInnen einen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<address>Quelle: <a href="http://www.nachhaltigkeit.at/article/articleview/75848/1/25585/">diestandard.at</a></address>
<h6>16. September 2009, 18:49</h6>
<p></p>
<h5>Mit der Textsammlung &#8220;Die Vier-in-einem-Perspektive&#8221; hat die marxistisch-feministische Soziologin Frigga Haug ihrem (Arbeits-)Zeitmodell ein sehr lesenswertes Denkmal gesetzt</h5>
<p></p>
<p>Zwischen &#8220;magischem Zentrum&#8221; des Lebens und grundlegendster Form der Ausbeutung des Menschen &#8211; die Pole, in denen über das Prinzip Arbeit gedacht und geschrieben wird, könnten nicht weiter auseinanderliegen. Für gewöhnlich nehmen AutorInnen einen Standpunkt ein mit dem unbedingten Willen, die sich auftuenden Widersprüche aus dem Weg zu räumen.</p>
<p><strong>Lust und Faulheit</strong></p>
<p>Doch was passiert, wenn man diese Widersprüche produktiv nutzt und sie als Ausgangspunkt des Weiterdenkens verwendet? Die linke Feministin und Soziologin Frigga Haug (Jahrgang 1937) zeigt in ihrem neuesten Werk &#8220;Die Vier-in-einem-Perspektive. Politik von Frauen für eine neue Linke&#8221; (2008), dass die Auseinandersetzung mit Widersprüchen und Grenzüberschreitungen notwendige Voraussetzung für emanzipatorisches Denken und Politik ist. Um dies zu beweisen, lässt uns die Autorin nicht nur theoretische Widersprüche aufrollen, sondern gewährt auch Einblicke in ihre Arbeitsbiographie, in der zum Beispiel Milch holen einmal das Glück auf Erden bedeutete. Es verlieh einem kleinen, neugierigen Mädchen Zugang zur Welt und Bedeutung, und doch verlor es nach einigen Widerholungen jeglichen Reiz und wurde zur (vermeidenden) Pflicht.</p>
<p>Diese Widersprüchlichkeit in der Selbsterfahrung von Arbeit hat das Schaffen der marxistischen Feministin und Sozialwissenschafterin dauerhaft geprägt, wie wir in dem Text &#8220;In der Arbeit zuhause sein?&#8221; nachlesen können. Nicht weniger erfahren wir darin über den Arbeitsbegriff bei Marx, dessen Satz &#8220;Arbeit als erstes Lebensbedürfnis&#8221; leichtfüßig als instrumentalisiertes Missverständnis entblättert wird oder über die Ansprüche der jungen Disziplin der kritischen Psychologie, in der erstmals Arbeit als grundlegende Dimension einer psychologischen Subjekttheorie betrachtet wurde.</p>
<div>
<id="m1_1252771509573"><img style="width: 300px; height: 179px;" title="Foto: STANDARD/Schögler" src="http://images.derstandard.at/t/12/2009/09/16/1252789296012.jpg" alt="Artikelbild" /></p>
<p><strong>Zur Person:</strong></p>
<div style="background-color : #E8E8E8;">
Frigga Haug war bis 2001 Professorin an der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik. Sie ist Mitherausgeberin und Redakteurin der Zeitschrift &#8220;Das Argument&#8221;, Redakteurin des Historisch-Kritischen Wörterbuchs des Marxismus und des Forum Kritische Psychologie. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Politik, Arbeit, weibliche Vergesellschaftung und Frauenpolitik, sozialwissenschaftliche Methoden und Lernen.
</div>
</div>
<p></p>
<p><strong>Aufbau</strong></p>
<p>Jener Text ist nur einer in Haugs Leseband, der weit ausholt, um Konkretes zu entschlüsseln. In &#8220;Die Vier-in-einem-Perspektive&#8221; sind bereits veröffentlichte Texte bzw. Vorträge rund um die vier Kernbereiche ihrer politischen Theorie geordnet. Haug fordert darin die Verabschiedung von der Vollerwerbszeit hin zu einem vierteiligen, emanzipatorischen Lebenszeitkonzept: Zeit für Erwerbsarbeit, Reproduktion, Kultur und Politik steht damit für alle als Utopie und zugleich höchst konkret als Lebensmodell im Raum.</p>
<p><strong>Vier Lebensbereiche</strong></p>
<p>Als &#8220;Utopie von Frauen, die eine Utopie für alle ist&#8221; untertitelte Haug ihre Rede bei der Frauenwerkstatt der Linken in Deutschland, die sich ebenfalls im Band befindet. Ausgehend von der feministischen Einsicht, die herkömmliche Arbeitsteilung als Herrschaft zu begreifen, möchte sie genau diese verändern: Ihr Modell sieht vier Stunden Erwerbsarbeit vor, um die notwenigen &#8220;Lebensmittel&#8221; zu erzeugen und den Zugang zur Welt offen zu halten. Unter Reproduktionsarbeit versteht sie die Arbeit an sich selbst und an anderen Menschen (Kindererziehung, Familienarbeit, Altenbetreuung), die für beide Geschlechter zu gleichen Teilen gilt. Mit dem Überbegriff Kultur wird jener Zeitteil bezeichnet, der für die Entwicklung der eigenen Interessen reserviert ist und der es ermöglichen soll, das Leben nicht nur als KonsumentIn zu genießen und neue Vorstellungen von gutem Leben hervorzubringen. Schließlich ist auch noch Zeit dafür vorgesehen, um in die Gestaltung von Gesellschaft einzugreifen, also das linke Versprechen der Politik von unten zu verwirklichen.</p>
<p>Im Vorwort betont Haug, dass sie die Zusammenstellung als Lernprozess versteht, den sie den LeserInnen zur Nachverfolgung anbietet. Vor den vier großen Kapiteln begründet sie jeweils ihre Auswahl und kontextualisiert die Texte in ihrer politischen oder wissenschaftlichen Bedeutung. Einige der Texte sind zum Teil 30 Jahre alt, andere beschäftigen sich mit aktuellen Themen wie Hartz IV oder den Paradoxien aktueller institutionalisierter Frauenpolitik. Dazwischen finden sich auch persönliche Erfahrungen der Autorin, etwa in &#8220;Patientin im neoliberalen Krankenhaus&#8221;, wo sich das Angebot von Brustimplantaten auf Krankenkasse noch als einzig verbliebenes Zeugnis gesellschaftlichen Mitgefühls offenbart.</p>
<p><strong>Kompass für politische Nahziele</strong></p>
<p>Ziel der Auswahl ist es, die nötigen Grenzüberschreitungen bei der Analyse der einzelnen Teilgebiete zu veranschaulichen. Eine Erfahrung bisheriger Protestbewegungen sei es schließlich gewesen, mit dem jeweiligen Problemlösungsansatz partiell geblieben zu sein, kritisiert Haug. Und in der Politik habe die Beschäftigung mit einzelnen Politikbereichen zum Teil reaktionäre Blüten getrieben. Der integrative Ansatz von Haug wagt die &#8220;politische Kunst der Verknüpfung&#8221;: &#8220;Keiner sollte ohne die anderen verfolgt werden, was eine Politik und zugleich eine Lebensgestaltung anzielt, die zu leben umfassend wäre, lebendig, sinnvoll, eingreifend und lustvoll genießend&#8221;. An die unmittelbare Umsetzbarkeit ihrer Utopie glaubt Haug selbst nicht, sie will ihr Modell viel mehr als Kompass verstanden wissen zur &#8220;Bestimmung von Nahzielen in der Politik, (&#8230;), als konkrete Utopie, die alle Menschen einbezieht und in der endlich die Entwicklung jedes Einzelnen zur Voraussetzung für die Entwicklung aller werden kann&#8221;.</p>
<p>&#8220;Die Vier-in-einem-Perspektive&#8221; ist ein Lese-Buch im besten Sinn, weil es neben theoretischer Fundiertheit auch mit sprachlicher Vielfalt und Humor brilliert. Haug verknüpft persönliche Einsichten mit politischen Fragestellungen und lässt die LeserIn transparent und ohne abschottender Distanz an ihrer Denkweise teilhaben. Die Lust am (Weiter-)Denken ergibt sich bei dieser Darstellung eines Lebens aus lauter Alternativen &#8211; fast wie von selbst. (Ina Freudenschuß, <em>die</em>Standard.at, 16.9.2009)</p>
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		<title>Radio/Vortrag: 4in1</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Jul 2009 20:05:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mediathek]]></category>
		<category><![CDATA[4in1]]></category>
		<category><![CDATA[Vortrag]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Bermudafunk &#8211; Freies Radio Rhein Neckar&#8221;: Die Sendung am 11. Juli ist ein Mitschnitt der Veranstaltung mit Frigga Haug, die am 11.06. im Mannheimer Kunstladen stattgefunden hat.
Frigga Haug fasst Ergebnisse ihrer jahrzehntelangen Arbeit zusammen: über Umbrüche in der Arbeitswelt, bewirkt durch Hochtechnologie, über die Ursachen von Frauenunterdrückung, über Fragen der kulturellen Selbstentfaltung und die Versuche, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;<strong>Bermudafunk</strong> &#8211; Freies Radio Rhein Neckar&#8221;: Die <a target="top" href="http://grundfunk.blogsport.de/2009/07/10/frigga-haug-am-11-juli-1700/">Sendung am 11. Juli</a> ist ein Mitschnitt der Veranstaltung mit Frigga Haug, die am 11.06. im Mannheimer Kunstladen stattgefunden hat.</p>
<p>Frigga Haug fasst Ergebnisse ihrer jahrzehntelangen Arbeit zusammen: über Umbrüche in der Arbeitswelt, bewirkt durch Hochtechnologie, über die Ursachen von Frauenunterdrückung, über Fragen der kulturellen Selbstentfaltung und die Versuche, linke Politik zu machen.<br />
siehe: <a href="http://www.vier-in-einem.de/index.php/2009/05/20/267/">Vortrag Manheim</a>, <strong>Juni 2009</strong></p>
<p style="text-align: center;"><img src="http://www.vier-in-einem.de/wp-content/plugins/flash-video-player/default_video_player.gif" /><br />
<a href="http://www.vier-in-einem.de/wp-content/uploads/Mannheim09.mp3">Download</a></p>
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		<title>„Spinnstube“ Arbeit: Wie wollen wir arbeiten? In welcher Gesellschaft wollen wir leben?</title>
		<link>http://www.vier-in-einem.de/index.php/2009/07/%e2%80%9espinnstube%e2%80%9c-arbeit-wie-wollen-wir-arbeiten-in-welcher-gesellschaft-wollen-wir-leben/</link>
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		<pubDate>Wed, 29 Jul 2009 12:37:08 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Termine]]></category>

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		<description><![CDATA[[ 20. März 2010; 17:15 bis 18:15. ] im Rahmen der Reihe: Arbeit und Gerechtigkeit
zur Ausstellung „ARBEIT. Sinn und Sorge“
im Deutschen Hygiene-Museum Dresden
Siehe:  http://www.dhmd.de/neu/index.php?id=1483
Vortrag und Diskussion
Die Vier-in-einem-Perspektive –
Utopie einer gerechten Verteilung von Erwerbsarbeit, Familienarbeit, Gemeinwesensarbeit und Entwicklungschancen

Prof. Dr. Frigga Haug – bis 2001 Professorin an der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik; Forschungsschwerpunkte und Lebensthemen: Politik und Arbeit
„Frigga Haug verbindet philosophische Sorgfalt und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<table class="ec3_schedule"><tr><td colspan="3">20. März 2010</td></tr><tr><td class="ec3_start">17:15</td><td class="ec3_to">bis</td><td class="ec3_end">18:15</td></tr></table><p>im Rahmen der Reihe: Arbeit und Gerechtigkeit<br />
zur Ausstellung „ARBEIT. Sinn und Sorge“<br />
im Deutschen Hygiene-Museum Dresden<br />
Siehe:  <a href="http://www.dhmd.de/neu/index.php?id=1483" target="_blank">http://www.dhmd.de/neu/index.php?id=1483</a></p>
<h4>Vortrag und Diskussion</h4>
<p>Die Vier-in-einem-Perspektive –<br />
Utopie einer gerechten Verteilung von Erwerbsarbeit, Familienarbeit, Gemeinwesensarbeit und Entwicklungschancen</p>
<p>Prof. Dr. Frigga Haug – bis 2001 Professorin an der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik; Forschungsschwerpunkte und Lebensthemen: Politik und Arbeit<br />
„Frigga Haug verbindet philosophische Sorgfalt und Klugheit mit unkompromittiertem Weitblick und leidenschaftlichen Zukunftsvisionen.“ (Judith Butler)</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Feministische Ökonomie</title>
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		<pubDate>Wed, 22 Jul 2009 14:03:02 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Termine]]></category>

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		<description><![CDATA[[ 6. November 2009 bis 7. November 2009. ] Referat und Arbeitsgruppe
Heimatsaal, Pualustorgasse 13 a
Grüne Akademie Graz]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<table class="ec3_schedule"><tr><td class="ec3_start">6. November 2009</td><td class="ec3_to">bis</td><td class="ec3_end">7. November 2009</td></tr></table><p>Referat und Arbeitsgruppe<br />
Heimatsaal, Pualustorgasse 13 a<br />
Grüne Akademie <strong>Graz</strong></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Feminismus, Sozialismus und Utopie</title>
		<link>http://www.vier-in-einem.de/index.php/2009/07/feminismus-sozialismus-und-utopie/</link>
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		<pubDate>Wed, 22 Jul 2009 14:01:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Termine]]></category>

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		<description><![CDATA[[ 27. Oktober 2009; 18:00 bis 20:00. ] Im Rahmen der Gender-Lecture an der Uni Marburg.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<table class="ec3_schedule"><tr><td colspan="3">27. Oktober 2009</td></tr><tr><td class="ec3_start">18:00</td><td class="ec3_to">bis</td><td class="ec3_end">20:00</td></tr></table><p>Im Rahmen der Gender-Lecture an der Uni <strong>Marburg.</strong></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Teilzeitarbeit für alle</title>
		<link>http://www.vier-in-einem.de/index.php/2009/07/teilzeitarbeit-fur-alle-2/</link>
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		<pubDate>Wed, 22 Jul 2009 13:59:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Termine]]></category>

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		<description><![CDATA[[ 15. Oktober 2009; 20:00 bis 22:00. ] Eröffnung des 3. Sozialforums im Wendland, Hitzacker]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<table class="ec3_schedule"><tr><td colspan="3">15. Oktober 2009</td></tr><tr><td class="ec3_start">20:00</td><td class="ec3_to">bis</td><td class="ec3_end">22:00</td></tr></table><p>Eröffnung des 3. Sozialforums im Wendland, <strong>Hitzacker</strong></p>
]]></content:encoded>
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