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	<title>Die Vier-in-einem-Perspektive &#187; Rezension &amp; Rezeption</title>
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		<title>Medien im Oktober 09</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Oct 2009 08:11:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Informationen]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension & Rezeption]]></category>

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		<description><![CDATA[Artikel mit Bezug zur Vier-in-einem-Perspektive:
Zeitschrift Luxemburg: Gut leben. Abschied von der »Macho-Ökonomie«
Mädchenmannschaft: Das bedingungslose Grundeinkommen: Chancen und Risiken aus feministischer Sicht
iz3w &#8211; informationszentrum 3. Welt &#8211; Ausgabe Nr. 314 &#8211; September/Oktober 2009:  Rezension über &#8220;Die Vier-in-einem-Perspektive&#8221;
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Artikel mit Bezug zur Vier-in-einem-Perspektive:</p>
<p><strong>Zeitschrift Luxemburg: </strong><a href="http://www.zeitschrift-luxemburg.de/?p=207" target="_blank">Gut leben. Abschied von der »Macho-Ökonomie«</a><br />
<strong>Mädchenmannschaft: </strong><a href="http://maedchenmannschaft.net/das-bedingungslose-grundeinkommen-chancen-und-risiken-aus-feministischer-sicht/" target="_blank">Das bedingungslose Grundeinkommen: Chancen und Risiken aus feministischer Sicht</a><br />
<strong>iz3w</strong> &#8211; informationszentrum 3. Welt &#8211; Ausgabe Nr. 314 &#8211; September/Oktober 2009: <a href="http://www.iz3w.org/iz3w/Rezensionen/Sachbuch/314magg.html"> Rezension über &#8220;Die Vier-in-einem-Perspektive&#8221;</a></p>
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		<title>Immer diese Widersprüche</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Sep 2009 12:06:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rezension & Rezeption]]></category>
		<category><![CDATA[4in1]]></category>

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		<description><![CDATA[Quelle: diestandard.at
16. September 2009, 18:49

Mit der Textsammlung &#8220;Die Vier-in-einem-Perspektive&#8221; hat die marxistisch-feministische Soziologin Frigga Haug ihrem (Arbeits-)Zeitmodell ein sehr lesenswertes Denkmal gesetzt

Zwischen &#8220;magischem Zentrum&#8221; des Lebens und grundlegendster Form der Ausbeutung des Menschen &#8211; die Pole, in denen über das Prinzip Arbeit gedacht und geschrieben wird, könnten nicht weiter auseinanderliegen. Für gewöhnlich nehmen AutorInnen einen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<address>Quelle: <a href="http://www.nachhaltigkeit.at/article/articleview/75848/1/25585/">diestandard.at</a></address>
<h6>16. September 2009, 18:49</h6>
<p></p>
<h5>Mit der Textsammlung &#8220;Die Vier-in-einem-Perspektive&#8221; hat die marxistisch-feministische Soziologin Frigga Haug ihrem (Arbeits-)Zeitmodell ein sehr lesenswertes Denkmal gesetzt</h5>
<p></p>
<p>Zwischen &#8220;magischem Zentrum&#8221; des Lebens und grundlegendster Form der Ausbeutung des Menschen &#8211; die Pole, in denen über das Prinzip Arbeit gedacht und geschrieben wird, könnten nicht weiter auseinanderliegen. Für gewöhnlich nehmen AutorInnen einen Standpunkt ein mit dem unbedingten Willen, die sich auftuenden Widersprüche aus dem Weg zu räumen.</p>
<p><strong>Lust und Faulheit</strong></p>
<p>Doch was passiert, wenn man diese Widersprüche produktiv nutzt und sie als Ausgangspunkt des Weiterdenkens verwendet? Die linke Feministin und Soziologin Frigga Haug (Jahrgang 1937) zeigt in ihrem neuesten Werk &#8220;Die Vier-in-einem-Perspektive. Politik von Frauen für eine neue Linke&#8221; (2008), dass die Auseinandersetzung mit Widersprüchen und Grenzüberschreitungen notwendige Voraussetzung für emanzipatorisches Denken und Politik ist. Um dies zu beweisen, lässt uns die Autorin nicht nur theoretische Widersprüche aufrollen, sondern gewährt auch Einblicke in ihre Arbeitsbiographie, in der zum Beispiel Milch holen einmal das Glück auf Erden bedeutete. Es verlieh einem kleinen, neugierigen Mädchen Zugang zur Welt und Bedeutung, und doch verlor es nach einigen Widerholungen jeglichen Reiz und wurde zur (vermeidenden) Pflicht.</p>
<p>Diese Widersprüchlichkeit in der Selbsterfahrung von Arbeit hat das Schaffen der marxistischen Feministin und Sozialwissenschafterin dauerhaft geprägt, wie wir in dem Text &#8220;In der Arbeit zuhause sein?&#8221; nachlesen können. Nicht weniger erfahren wir darin über den Arbeitsbegriff bei Marx, dessen Satz &#8220;Arbeit als erstes Lebensbedürfnis&#8221; leichtfüßig als instrumentalisiertes Missverständnis entblättert wird oder über die Ansprüche der jungen Disziplin der kritischen Psychologie, in der erstmals Arbeit als grundlegende Dimension einer psychologischen Subjekttheorie betrachtet wurde.</p>
<div>
<id="m1_1252771509573"><img style="width: 300px; height: 179px;" title="Foto: STANDARD/Schögler" src="http://images.derstandard.at/t/12/2009/09/16/1252789296012.jpg" alt="Artikelbild" /></p>
<p><strong>Zur Person:</strong></p>
<div style="background-color : #E8E8E8;">
Frigga Haug war bis 2001 Professorin an der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik. Sie ist Mitherausgeberin und Redakteurin der Zeitschrift &#8220;Das Argument&#8221;, Redakteurin des Historisch-Kritischen Wörterbuchs des Marxismus und des Forum Kritische Psychologie. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Politik, Arbeit, weibliche Vergesellschaftung und Frauenpolitik, sozialwissenschaftliche Methoden und Lernen.
</div>
</div>
<p></p>
<p><strong>Aufbau</strong></p>
<p>Jener Text ist nur einer in Haugs Leseband, der weit ausholt, um Konkretes zu entschlüsseln. In &#8220;Die Vier-in-einem-Perspektive&#8221; sind bereits veröffentlichte Texte bzw. Vorträge rund um die vier Kernbereiche ihrer politischen Theorie geordnet. Haug fordert darin die Verabschiedung von der Vollerwerbszeit hin zu einem vierteiligen, emanzipatorischen Lebenszeitkonzept: Zeit für Erwerbsarbeit, Reproduktion, Kultur und Politik steht damit für alle als Utopie und zugleich höchst konkret als Lebensmodell im Raum.</p>
<p><strong>Vier Lebensbereiche</strong></p>
<p>Als &#8220;Utopie von Frauen, die eine Utopie für alle ist&#8221; untertitelte Haug ihre Rede bei der Frauenwerkstatt der Linken in Deutschland, die sich ebenfalls im Band befindet. Ausgehend von der feministischen Einsicht, die herkömmliche Arbeitsteilung als Herrschaft zu begreifen, möchte sie genau diese verändern: Ihr Modell sieht vier Stunden Erwerbsarbeit vor, um die notwenigen &#8220;Lebensmittel&#8221; zu erzeugen und den Zugang zur Welt offen zu halten. Unter Reproduktionsarbeit versteht sie die Arbeit an sich selbst und an anderen Menschen (Kindererziehung, Familienarbeit, Altenbetreuung), die für beide Geschlechter zu gleichen Teilen gilt. Mit dem Überbegriff Kultur wird jener Zeitteil bezeichnet, der für die Entwicklung der eigenen Interessen reserviert ist und der es ermöglichen soll, das Leben nicht nur als KonsumentIn zu genießen und neue Vorstellungen von gutem Leben hervorzubringen. Schließlich ist auch noch Zeit dafür vorgesehen, um in die Gestaltung von Gesellschaft einzugreifen, also das linke Versprechen der Politik von unten zu verwirklichen.</p>
<p>Im Vorwort betont Haug, dass sie die Zusammenstellung als Lernprozess versteht, den sie den LeserInnen zur Nachverfolgung anbietet. Vor den vier großen Kapiteln begründet sie jeweils ihre Auswahl und kontextualisiert die Texte in ihrer politischen oder wissenschaftlichen Bedeutung. Einige der Texte sind zum Teil 30 Jahre alt, andere beschäftigen sich mit aktuellen Themen wie Hartz IV oder den Paradoxien aktueller institutionalisierter Frauenpolitik. Dazwischen finden sich auch persönliche Erfahrungen der Autorin, etwa in &#8220;Patientin im neoliberalen Krankenhaus&#8221;, wo sich das Angebot von Brustimplantaten auf Krankenkasse noch als einzig verbliebenes Zeugnis gesellschaftlichen Mitgefühls offenbart.</p>
<p><strong>Kompass für politische Nahziele</strong></p>
<p>Ziel der Auswahl ist es, die nötigen Grenzüberschreitungen bei der Analyse der einzelnen Teilgebiete zu veranschaulichen. Eine Erfahrung bisheriger Protestbewegungen sei es schließlich gewesen, mit dem jeweiligen Problemlösungsansatz partiell geblieben zu sein, kritisiert Haug. Und in der Politik habe die Beschäftigung mit einzelnen Politikbereichen zum Teil reaktionäre Blüten getrieben. Der integrative Ansatz von Haug wagt die &#8220;politische Kunst der Verknüpfung&#8221;: &#8220;Keiner sollte ohne die anderen verfolgt werden, was eine Politik und zugleich eine Lebensgestaltung anzielt, die zu leben umfassend wäre, lebendig, sinnvoll, eingreifend und lustvoll genießend&#8221;. An die unmittelbare Umsetzbarkeit ihrer Utopie glaubt Haug selbst nicht, sie will ihr Modell viel mehr als Kompass verstanden wissen zur &#8220;Bestimmung von Nahzielen in der Politik, (&#8230;), als konkrete Utopie, die alle Menschen einbezieht und in der endlich die Entwicklung jedes Einzelnen zur Voraussetzung für die Entwicklung aller werden kann&#8221;.</p>
<p>&#8220;Die Vier-in-einem-Perspektive&#8221; ist ein Lese-Buch im besten Sinn, weil es neben theoretischer Fundiertheit auch mit sprachlicher Vielfalt und Humor brilliert. Haug verknüpft persönliche Einsichten mit politischen Fragestellungen und lässt die LeserIn transparent und ohne abschottender Distanz an ihrer Denkweise teilhaben. Die Lust am (Weiter-)Denken ergibt sich bei dieser Darstellung eines Lebens aus lauter Alternativen &#8211; fast wie von selbst. (Ina Freudenschuß, <em>die</em>Standard.at, 16.9.2009)</p>
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		<title>Publikation der Woche</title>
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		<pubDate>Thu, 28 May 2009 07:17:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rezension & Rezeption]]></category>
		<category><![CDATA[4in1]]></category>

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		<description><![CDATA[Quelle: Nachhaltigkeit.at
 

Die Vier-in-einem-Perspektive
Frigga Haug rückt in ihrem Buch „Die Vier-in-einem-Perspektive“ die Utopie einer gerechten Verteilung von Erwerbsarbeit, Familienarbeit, Gemeinwesenarbeit und Entwicklungschancen ins Zentrum der Betrachtung.
In den sechs Kapiteln „Entwurf“, „Erwerbsarbeit“, „Reproduktionsarbeit“, „Kulturelle Entwicklung“, „Politik von unten“ und „Nachträgliche Fundierung“ widmet sie sich u.a. folgenden Themen:

Eine Utopie von Frauen, die eine Utopie für alle ist
In [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<address>Quelle: <a href="http://www.nachhaltigkeit.at/article/articleview/75848/1/25585/">Nachhaltigkeit.at</a></address>
<address> </address>
<p></p>
<h1>Die Vier-in-einem-Perspektive</h1>
<p>Frigga Haug rückt in ihrem Buch „Die Vier-in-einem-Perspektive“ die Utopie einer gerechten Verteilung von Erwerbsarbeit, Familienarbeit, Gemeinwesenarbeit und Entwicklungschancen ins Zentrum der Betrachtung.</p>
<p>In den sechs Kapiteln „Entwurf“, „Erwerbsarbeit“, „Reproduktionsarbeit“, „Kulturelle Entwicklung“, „Politik von unten“ und „Nachträgliche Fundierung“ widmet sie sich u.a. folgenden Themen:</p>
<ul class="ArticleList">
<li>Eine Utopie von Frauen, die eine Utopie für alle ist</li>
<li>In der Arbeit zu Hause sein?</li>
<li>Arbeitspolitische Terrainverschiebung</li>
<li>Die Neue Mitte – Bewegungsmöglichkeiten im Neoliberalismus</li>
<li>Der Weg, der in die Welt, nicht ins Haus führt</li>
<li>Zeit für mich. Über das Privatisieren</li>
<li>Frauen – Opfer oder Täter?</li>
<li>Männergeschichte, Frauenbefreiung, Sozialismus</li>
<li>Frauenquote und Gender-Mainstreaming. Paradoxien feministischer Realpolitik</li>
<li>Geschlechterverhältnisse als Produktionsverhältnisse</li>
</ul>
<p><strong>Zur Autorin: </strong><br />
Frigga Haug war bis 2001 Professorin an der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik. Sie ist Mitherausgeberin und Redakteurin der Zeitschrift Das Argument, Redakteurin des Historisch-Kritischen Wörterbuchs des Marxismus und des Forum Kritische Psychologie. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Politik, Arbeit, weibliche Vergesellschaftung und Frauenpolitik, sozialwissenschaftliche Methoden und Lernen. (Quelle: Argument Verlag)</p>
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		<title>Eine Arbeitswelt, für die es sich zu kämpfen lohnt</title>
		<link>http://www.vier-in-einem.de/index.php/2009/05/eine-arbeitswelt-fur-die-es-sich-zu-kampfen-lohnt/</link>
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		<pubDate>Thu, 21 May 2009 11:59:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rezension & Rezeption]]></category>

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		<description><![CDATA[
Grüne Bildungswerkstatt Wien
A-1070 Wien, Neubaugasse 8

Texte &#8211;  Politik &#38; Ökonomie &#8211;  Kapitalismus-Kritik / 28.04.2009 /  Philip Taucher

Eine Arbeitswelt, für die es sich zu kämpfen lohnt
Frigga Haug bietet mit ihrer Vier-in-einem-Perspektive Orientierungspunkte für solch einen Kampf. In Wien diskutierte sie diese mit  politischen AktivistInnen im Rahmen des Lesekreises Die feministische Neudefinition von Arbeit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="top-area">
<h1>Grüne Bildungswerkstatt Wien</h1>
<p>A-1070 Wien, Neubaugasse 8<br />
<a href="http://www.gbw-wien.at/"></a><img id="logo" src="http://www.gbw-wien.at/images/logos/logo.gif" alt="logo.gif" /></div>
<div id="main-content-area"><a class="metanav" title="Texte" href="http://www.gbw-wien.at/index.php?list_id=20">Texte</a> &#8211;  <a class="metanav" title="Politik &amp; Ökonomie" href="http://www.gbw-wien.at/index.php?list_id=11">Politik &amp; Ökonomie</a> &#8211;  <a class="metanav_active" title="Kapitalismus-Kritik" href="http://www.gbw-wien.at/index.php?list_id=21">Kapitalismus-Kritik</a> / 28.04.2009 /  <span class="author">Philip Taucher</span></p>
<p><!-- START_CONTENT --></p>
<h4 class="h1-main">Eine Arbeitswelt, für die es sich zu kämpfen lohnt</h4>
<div id="abstract" class="abstract">Frigga Haug bietet mit ihrer Vier-in-einem-Perspektive Orientierungspunkte für solch einen Kampf. In Wien diskutierte sie diese mit  politischen AktivistInnen im Rahmen des Lesekreises <a class="internal" href="http://www.gbw-wien.at/index.php?art_id=472">Die feministische Neudefinition von Arbeit</a> und einer Buchvorstellung (<a class="internal" href="http://www.gbw-wien.at/index.php?art_id=448">Eine neue Utopie des Arbeitens – die Vier-in-einem-Perspektive</a>).</div>
<p><br style="clear: both;" /></p>
<div id="text" class="text">Wir  überarbeiten uns und gleichzeitig produzieren wir Arbeitslosigkeit. So rastlos wir durch unser Erwerbsleben eilen, so teilnahmslos beäugen wir die politischen Entwicklungen um uns. Wir wetteifern im Rennen um die besten Bildungstitel und nehmen es gleichzeitig hin, dass viele Menschen in unserer unmittelbaren Umgebung weder ausreichend lesen noch schreiben können. Die meist unbezahlte Hausarbeit schätzen wir kaum. Jenen, die nicht von der eigenen, sondern von der Arbeit anderer – von ihrem Vermögen – leben, bringen wir dagegen Bewunderung entgegen.</p>
<p>Die Widersprüche unserer derzeitigen Arbeitswelt schreien nach einer Alternative. Frigga Haug benennt in ihrem Buch „Die Vier-in-einem-Perspektive“ diese Widersprüche und bietet eine Alternative.  Die Sozialwissenschafterin und wesentliche Mitstreiterin feministischer Bewegungen versammelt darin Beiträge aus den letzten 30 Jahren ihrer politischen und wissenschaftlichen Arbeit. Damit knüpft sie an begonnene politische Kämpfe an, wenn sie ihre Orientierungspunkte für eine zukünftige Arbeitswelt entwirft.</p>
<h6>Viermal täglich arbeiten</h6>
<p>Haug geht es um eine radikale Umverteilung und einen erweiterten Begriff von Arbeit. Die Erwerbsarbeit solle nicht mehr allein im Vordergrund stehen. Gleich viel Zeit und Energie solle jeweils drei weiteren Bereichen der menschlichen Arbeit zukommen:</p>
<ul>
<li>erstens,  der gemeinsamen Gestaltung der Gesellschaft – dem politischen Arbeiten</li>
<li> zweitens, der Entwicklung und Entfaltung der menschlichen Fähigkeiten – der Selbstentwicklung</li>
<li>und drittens, der Familien-, Haus-, Erziehungs-, Pflege- und Gemeinschaftsarbeiten, sowie der Arbeiten an der Natur – der Sorge-Arbeiten</li>
</ul>
<p>Diese vier Bereiche seien Haug zufolge nicht als von einander getrennt zu betrachten, sie fließen ineinander über. Alle Menschen sollten in allen vier Bereichen tätig sein. Dem entsprechend müsse Politik um die Arbeit immer alle  Bereiche berücksichtigen. In dieser &#8220;Vier-in-einem-Perspektive&#8221; müsse insgesamt weder mehr oder weniger gearbeitet werden, noch sei geringerer Wohlstand zu befürchten. Vielmehr bedürfe es nur einer Umverteilung und Neuorganisation jener Arbeiten, die bereits heute schon geleistet werden. Haug betont, dass sich mit dieser Perspektive Probleme wie Arbeitslosigkeit, Unvereinbarkeit von Beruf und Familie sowie die Einseitigkeit von Arbeit nicht mehr stellen würden.<br />
Sie präsentiert die Vier-in-einem-Perspektive als ein Stück konkreter Utopie: Es sei eine Vision, die bei den gegebenen gesellschaftlichen Verhältnissen ansetze. Und sie gebe Orientierung für den Kampf zur Veränderung dieser Verhältnisse.</p>
<h6>Lesearbeit</h6>
<p>Für die TeilnehmerInnen des von der Grünen Bildungswerkstatt Wien und GRAS (Grünalternative StudentInnen) organisierten Lesekreises verlangten Haugs fundierte theoretischen Überlegungen zu Marx, Luxemburg &amp; Co einige Lesearbeit ab. Zur Veranschaulichung durchsetzte Haug diese Ausfühungen in ihrem Buch mit lebhaften Erinnerungen aus dem eigenen Leben und den Auseinandersetzungen in den feministischen Bewegungen. Wo Haug aus bekannten Volksmärchen ideologische wie befreiende Lehren über die Arbeit destillierte oder mit prägnanten Formulierungen mit der Ideologie der Hartz-Reformen in Deutschland abrechnete, wurde die Lesearbeit schnell zum Vergnügen.</p>
<h6>Teilzeitarbeit für alle!</h6>
<p>In der Diskussion mit Frigga Haug stand im Lesekreis wie auch bei der Buchvorstellung an der Technischen Universität in Wien der Kampf um eine neue Arbeitswelt im Vordergrund. So wie man die vier bereits genannten Arbeitsbereiche zusammendenken müsse, gelte es auch im politischen Kampf der ArbeiterInnenbewegungen, Ökologiebewegungen, feministischen Bewegungen, Lernbewegungen und den Kampf gegen politische Ausgrenzung zusammenzubringen, betonte Haug. Damit dieser Kampf für die Betroffenen positive Veränderungen bringe, müsse er von ihnen selbst, also von unten, geführt werden. Gerade jetzt müsse man jede Art der politischen Beteiligung der Menschen fördern, damit der Unmut nicht in politische Teilnahmslosigkeit zerfließe und immer größere Teile der Bevölkerung nach rechts abdriften, warnte Haug.</p>
<p>Die Forderung nach einer radikalen Verkürzung der Erwerbsarbeitszeit auf vier Stunden pro Tag wäre vor dem Hintergrund der &#8220;Vier-in-einem-Perspektive&#8221; ein Anknüpfungspunkt für weitere Kämpfe. Eine solche Reduktion würde den Raum schaffen, auch alle anderen Arbeitsbereiche politisch zu thematisieren, argumentierten TeilnehmerInnen des Lesekreises. Haug legte dafür als Strategie nahe, was Rosa Luxemburg „revolutionäre Realpolitik“ nannte. Dabei gelte es eine Reformpolitik auf Basis der aktuellen Bedingungen zu verfolgen. Gleichzeitig müsse man an einer Vision festhalten, die das Fundament, auf dem die Reformpolitik steht, stets unsicher macht. Taktisch sei im bestehenden System zu kämpfen, jedoch strategisch an dessen Überwindung zu arbeiten. Dazu brauche es sowohl politische Arbeit in den Volksvertretungen und Medien, als auch den Arbeitskampf und die Androhung möglicher Gewalt von der Straße.</p>
<p>Dem Vorschlag aus dem Publikum, das bedingungslose Grundeinkommen als zentrale Forderung im Kampf um Arbeit einzubringen, begegnete Haug wie auch viele andere MitdiskudantInnen mit Skepsis. Die Forderung nach einem Grundeinkommen drohe für Haug zu einem Ruf nach „Brot und Spielen“ zu verkommen, wenn sie nicht mit Forderungen nach Mitbestimmung über den Produktionsprozess und der Umverteilung unbezahlter Sorge-Arbeit verbunden sei.</p>
<p>Abschließend rief Haug alle Anwesenden dazu auf, selbst an der Vier-in-einem-Perspektive weiterzuarbeiten, eigene Arbeitserfahrungen einzubringen und diesen „politischen Kompass“ weiter zu verbreiten.<br />
Live-Mitschnitt der Diskussion auf <a href="http://sendungsarchiv.o94.at/get.php/094pr3276">Radio Orange</a></p>
<h6>Literaturhinweis:</h6>
<p>Frigga Haug: Die Vier-in-einem-Perspektive. Politik von Frauen für eine neue Linke. <a href="http://www.argument.de/">Argument Verlag</a> (Hamburg) 2008.</div>
</div>
<div id="footer-area">28.04.2009 /  <span class="author">Philip Taucher</span></div>
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		</item>
		<item>
		<title>eine vernünftige utopie</title>
		<link>http://www.vier-in-einem.de/index.php/2008/12/eine-vernunftige-utopie/</link>
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		<pubDate>Tue, 02 Dec 2008 12:39:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rezension & Rezeption]]></category>

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		<description><![CDATA[P.S., die linke Zürcher Zeitung / Buchbeilage 13.3.08
Frigga Haug, die alte deutsche Feministin und Sozialistin, bündelt politische Lebenserfahrungen und wirkt dabei erstaunlich jung.

Hans Steiger
Sie bewundere Frigga Haug „wegen ihrer Unermüdlichkeit, ihre emanzipatorischen Ziele zu verfolgen“, schrieb Elfriede Jelinek zum 70. Geburtstag der auch im eigenen Umfeld oft gegen den Zeitgeist argumentierenden Autorin und Aktivistin. Bei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><span style="text-decoration: underline;">P.S., die linke Zürcher Zeitung</span></em><em> / Buchbeilage 13.3.08</em></p>
<p><strong>Frigga Haug, die alte deutsche Feministin und Sozialistin, bündelt politische Lebenserfahrungen und wirkt dabei erstaunlich jung.</strong></p>
<p><strong></strong></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Hans Steiger</span></p>
<p>Sie bewundere Frigga Haug „wegen ihrer Unermüdlichkeit, ihre emanzipatorischen Ziele zu verfolgen“, schrieb Elfriede Jelinek zum 70. Geburtstag der auch im eigenen Umfeld oft gegen den Zeitgeist argumentierenden Autorin und Aktivistin. Bei einem Vortrag in Zürich, zu dem Frauen vom Revolutionären Aufbau eingeladen hatten, führte sie kürzlich vor, wie mit sorgfältigen Analysen aus Niederlagen und Irrtümern zu lernen ist. Was sie dort als Perspektive für eine gerechtere, am Ende für alle lebenswertere Zukunft skizziert hat, liegt nun &#8211; mit vielen zusätzlichen Materialien &#8211; in einem Buch vor. Eine lohnende Lektüre zwischen dem 8. März und dem 1. Mai!</p>
<p><strong>Kompass für Linke</strong></p>
<p>Wir brauchen dringend wieder „Visionen von einer anderen Gesellschaft“, denn die kapitalistische Orientierung an Profit und Wachstum hat die Welt in eine umfassende Krise geführt. Und zu einer Gesellschaft, in der „selbst das Überleben als Privatsache marginalisiert“ wird. Ein neuer Gesellschaftsvertrag, vorab ein Geschlechtervertrag, muss allen die Beteiligung in allen wichtigen Bereichen des Lebens öffnen: „in der Erwerbsarbeit, in der Sorgearbeit um sich und andere, in der Entfaltung der in ihnen schlummernden Fähigkeiten, schliesslich im politisch-gesellschaftlichen Engagement“. Je vier Stunden könnten für diese vernünftige Utopie das Richtmass sein. Natürlich nicht dogmatisch, „mit der Stechuhr“, zumal die Felder einander durchdringen und innerlich zusammenhängen. „Die politische Kunst liegt in der Verknüpfung der vier Bereiche.“ Da unsere ganze Lebensweise zur Debatte steht, genügt dazu „die übliche Stellvertreterpolitik“ nicht. Das adressiert Frigga Haug als Mahnung auch an die neue deutsche Linkspartei. Ein bei der ersten Frauenwerkstatt gehaltenes Referat eröffnet den Band, der keine Wegbeschreibung sein will, aber dienlich als Kompass.</p>
<p>Die folgenden Analysen sind zum Teil älteren Datums. Einige davon waren als aktuell hintergründige Zeitkommentare im von der Autorin mitgeprägten „Argument“ zu lesen. Wie entlarvend etwa die Ausleuchtung des Menschenbildes eines Peter Hartz war, wie treffend die Beurteilung des inhaltlich dürftigen Schröder/Blair-Papiers als neoliberaler Abschied von der Sozialdemokratie, zeigt sich jetzt. Besonders stark wirken Passagen, die sich als eine Art politische Autobiographie durch das Buch ziehen. Sie begründen die mit der Erfahrung wachsende Einsicht, dass Feminismus und Sozialismus nur in konsequenter Verknüpfung zu befreienden Veränderungen führen können. Gerade das persönlichste Kapitel über Erlebnisse als „Patientin im neoliberalen Krankenhaus“ wird zu einer Systemanalyse, wie sie eindringlicher kaum sein könnte. Wenn die abweisend wirkende junge Frau, mit der beim Bettenmachen nur ein knapper Wortwechsel möglich war, am Abend noch einmal vorbeikommt, um ihre Wut und Verzweiflung loszuwerden, wird sie zur Zeugin für eine zuvor vielleicht theoretisch klingende Aussage, „dass in alledem, in Überforderung und Unterforderung, in Überarbeit und Arbeitslosigkeit, in Rastlosigkeit und Abwarten eine allgemeine tiefe Ungerechtigkeit herrscht“. Mit verheerenden Folgen für die Gesellschaft und die Menschen in ihr.</p>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Michael Brie</title>
		<link>http://www.vier-in-einem.de/index.php/2008/12/michael-brie/</link>
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		<pubDate>Tue, 02 Dec 2008 12:28:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>frigga</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Rezension & Rezeption]]></category>
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		<description><![CDATA[Frigga Haugs Vier-in-einem-Perspektive eröffnet nicht nur einen Blick auf die Möglichkeiten einer Lebensgestaltung, die bewusst mit Pluralität umgeht und sie genauso emanzipatorisch wie solidarisch handhabt, sie kann auch mit einem neuartigen Entwurf einer anderen Wirtschaftsweise und Eigentumsstruktur verbunden werden. Dieser Entwurf entginge der überholten Dichotomie von Planwirtschaft vs. Marktwirtschaft und würde erstens nach den unterschiedlichen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Frigga Haugs Vier-in-einem-Perspektive eröffnet nicht nur einen Blick auf die Möglichkeiten einer Lebensgestaltung, die bewusst mit Pluralität umgeht und sie genauso emanzipatorisch wie solidarisch handhabt, sie kann auch mit einem neuartigen Entwurf einer anderen Wirtschaftsweise und Eigentumsstruktur verbunden werden. Dieser Entwurf entginge der überholten Dichotomie von Planwirtschaft vs. Marktwirtschaft und würde erstens nach den unterschiedlichen Potentialen verschiedener Wirtschafts- und Eigentumsformen fragen. Er würde zweitens die Möglichkeiten ihrer solidarischen Verknüpfung untersuchen. In der Generalisierung einer Vier-in-einem-Perspektive können sich Horizonte einer Neubegründung des Sozialismus auftun.<span id="more-172"></span></p>
<h5>Der Übergang zu solidarischer Entwicklung <a name="_ftnref1_6978" href="#_ftn1_6978"><strong>[1]</strong></a></h5>
<h6>Eine neue Wirtschafts- und Eigentumsordnung</h6>
<p>Die technologische Revolution der letzten dreißig Jahre hat Wissenschaft und Kultur in die wichtigsten Produktivkräfte verwandelt. Die Privatisierung dieser öffentlichen Güter steht deren Charakter als Produkte, die ihren Wert durch die unbeschränkte Nutzung nur erhöhen, entgegen. Es bedarf deshalb eines starken, durch öffentliche Finanzierung geprägten, in hohem Maße sich selbst organisierenden Sektors der Bildung, Kultur und Wissenschaft, der sich nicht zuletzt aus dem freiwilligen Engagement vieler speist, die in sozialer Sicherheit leben. Der Anteil dieser Güter wächst ständig.<a href="http://www.vier-in-einem.de/wp-content/2008/12/michaelbrie-html-24a7b17f.gif"><img style="border-right: 0px; border-top: 0px; display: inline; margin: 10px 10px 5px 0px; border-left: 0px; border-bottom: 0px" src="http://www.vier-in-einem.de/wp-content/2008/12/michaelbrie-html-24a7b17f.gif" border="0" alt="Michael Brie_html_24a7b17f" width="362" height="340" align="left" /></a> Wenn überhaupt, dann haben hier Anarchie und ein Kulturkommunismus ihre Zukunft. Sie bedürfen aber einer umfassenden Förderung. Es ist dieser Sektor, in dem freie Entwicklung der einzelnen und freie Entwicklung aller tatsächlich unmittelbar zusammen fallen können. In diesem Sektor würde der freie öffentliche Zugang (Access) vorherrschen. Es gäbe keine Eigentümer, sondern nur Kontrolleure der universellen Zugänglichkeit.</p>
<p>Es gibt einen zweiten Sektor, der durch die deutlich gewachsene Lebenserwartung (sie stieg in Mitteleuropa in den letzten 160 Jahren von rd. 40 auf knappe 80 Jahre) und die Modernisierung und Urbanisierung sowie umfassenden Entwicklung einer globalen Austauschgesellschaft an Bedeutung enorm gewonnen hat: Der Bereich der gemeinschaftlichen Güter wie Gesundheitsvorsorge, Pflege, der öffentlichen Infrastruktur in Verkehr und Kommunikation usw. Der Schutz der natürlichen und menschlichen Umwelt ist gleichfalls ein gemeinschaftliches Gut. Auch das Banksystem und Kreditwesen sowie das Rechtsystem gehören hierzu. Die jüngste Finanzkrise zeigt, dass es sich dabei zwar um privat nutzbare, keinesfalls aber um private Güter handelt, auch wenn sie so behandelt wurden. Im Neoliberalismus entwickelte sich ein Commonize Costs – Privatize Profits Game. Die Grenzziehung zu den öffentlichen Gütern besteht vor allem darin, dass gemeinschaftliche Güter durch überhöhte und falsche Nutzung zerstört werden können.<a name="_ftnref2_6978" href="#_ftn2_6978">[2]</a> Der moderne Sozial- und Rechtsstaat, der durch den Neoliberalismus in die Krise geraten ist, ist das Rückgrat dieser Sektoren. Die demokratischen Institutionen des Staates, der Gemeinden und universeller Versicherungsorganisationen nehmen die wichtigsten Eigentümerfunktionen auf der Basis der einklagbaren Sicherung der sozialen und ökologischen Grundrechte aller wahr.</p>
<p>Ein dritter Sektor ist der gesellschaftliche Sektor der Produktion von materiellen und immateriellen Gütern, die weder öffentlich noch gemeinschaftlich sind bzw. sein sollen. Er ist heute vor allem in privater und nur sehr partiell in staatlicher bzw. genossenschaftlicher Hand. Er basiert auf der kreditfinanzierten unternehmerischen Tätigkeit. Diese nimmt dann kapitalistische Form an, wenn die Kombination von Produktionsmitteln und Arbeitskraft den Imperativen der Kapitalverwertung untergeordnet ist. Einer solidarischen Ökonomie muss es gelingen, auf der Basis von bedarfsorientierter Grundsicherung, regionalen Wirtschaftskreisläufen, Kapitalverkehrskontrolle, starker Mitbestimmung diese Unterordnung, sozialer und ökologischer Rahmensteuerung und öffentlichen Investitionsprogrammen aufzubrechen und zu überwinden. In diesem Sektor muss eine Form assoziativen Eigentums verschiedener Akteure mit je unterschiedlichen Eigentümerinteressen („gute Arbeit“, regionale Entwicklung, innovative und effiziente Güter für die Verbraucher, ökologische Nachhaltigkeit usw.) etabliert werden. Dieser postkapitalistische unternehmerische Sektor basiert auf der Kooperation von Teileigentümern.<a name="_ftnref3_6978" href="#_ftn3_6978">[3]</a></p>
<p>Ein vierter Sektor ist die Produktion individueller Güter im Nahraum von Partnerschaft, Leben mit Älteren und Kindern, der Freundschaft und Liebe sowie der freien persönlichen Entwicklung. <a href="http://www.vier-in-einem.de/wp-content/2008/12/michaelbrie-html-55deb9fb.gif"><img style="border-right: 0px; border-top: 0px; display: inline; margin: 10px 10px 5px 0px; border-left: 0px; border-bottom: 0px" src="http://www.vier-in-einem.de/wp-content/2008/12/michaelbrie-html-55deb9fb.gif" border="0" alt="Michael Brie_html_55deb9fb" width="362" height="340" align="left" /></a> Die Zeit, die heute in den entwickelten Ländern in diesem Sektor aufgewandt wird, ist sehr hoch und übersteigt mittlerweile die Lebenszeit, die in der Erwerbstätigkeit verbracht wird, nimmt man die Kindheit und Jugend sowie das Alter hinzu. Entscheidend wird es sein, diese Zeit von der Unterordnung unter die Zwänge der Selbstvermarktung zu befreien, ihr den passiv konsumtiven Charakter, den sie heute oft hat, abzustreifen.</p>
<h6>Eine neue Lebensweise</h6>
<p>Der Übergang von einer kapitaldominierten zu einer solidarischen Mischwirtschaft ermöglicht eine grundsätzlich neue Lebensbalance, die die marxistische Feministin Frigga Haug die „Vier-in-einem-Perspektive“ nennt. Erwerbsarbeit, Reproduktionsarbeit in der Sorge um sich und andere, die Muße freier Selbstentwicklung und öffentliches Engagement sollen als Teilzeitaktivitäten aller verallgemeinert werden, so dass jede und jeder rd. vier Stunden seines Tages diesen Tätigkeiten widmet.<a name="_ftnref4_6978" href="#_ftn4_6978">[4]</a> Eine wohnnah ausgeübte Erwerbstätigkeit müsste unter 30 Stunden in der Woche sinken. Die „knechtende Unterordnung unter die Teilung der Arbeit“ (Karl Marx in der Tradition von Charles Fourier und Robert Owen) würde endlich aufgehoben. <a href="http://www.vier-in-einem.de/wp-content/2008/12/michaelbrie-html-m7ffd5d8c.gif"><img style="border-right: 0px; border-top: 0px; display: inline; margin: 10px 10px 5px 0px; border-left: 0px; border-bottom: 0px" src="http://www.vier-in-einem.de/wp-content/2008/12/michaelbrie-html-m7ffd5d8c.gif" border="0" alt="Michael Brie_html_m7ffd5d8c" width="362" height="340" align="left" /></a> Erst eine solche Neuorganisation des Lebens erlaubt die Befreiung von einer Psychologie des Haben-Wollens, aus der gemeinsam mit der unendlichen Sucht der Selbstverwertung des Kapitals die Verwandlung der Welt in eine Natur wie Mensch und Seele gleichermaßen zerstörende Anhäufung toter Dinge („Waren“) erwuchs, die uns heute beherrscht.<a name="_ftnref5_6978" href="#_ftn5_6978">[5]</a></p>
<h6>Partizipative Demokratie</h6>
<p>Die entscheidende Bedingung der Entstehung einer neuen Wirtschaftsordnung und Lebensweise ist der Kampf um die Demokratisierung der Demokratie. Heute wird die Demokratie, diese große Errungenschaft des 20. Jahrhunderts, zur bloßen Fassade imperialer Machtansprüche, des Nachvollzugs der Imperative einer entfesselten Kapitalverwertung und des Schutzes egoistischer Habensansprüche erniedrigt und in eine Oligarchie global agierender Eliten verwandelt. Die Alternative dazu ist die partizipative Demokratie, wie sie vor allem im Umfeld des Weltsozialforums entwickelt wird.</p>
<p>Grundzüge einer neuen partizipativen Demokratie sind vor allem vier Entwicklungsrichtungen: Erstens geht es um die Herstellung universeller Öffentlichkeit, die Sicherung, dass alle Entscheidungen denen zugänglich sind, die sie betreffen, dass der Zwang besteht, sie anzuhören, sich ihren Maßstäben und ihrer Kritik zu stellen. Zweitens ist Demokratie nur möglich, wenn sie auf solidarische Weise zur Entwicklung der anderen beiträgt, vor allem jener, die heute von Krieg, Umweltzerstörung, Staatszerfall, Fehlen der grundlegenden Bedingungen eines selbstbestimmten Lebens betroffen sind. Drittens verlangt Demokratie unmittelbare kommunale, regionale und betriebliche Mitbestimmung mit einem Veto-Recht, wenn es um die eigenen existentiellen Angelegenheiten geht. Viertens ist Demokratie nur dort möglich, wo Menschen nicht durch Verlust von Arbeitsplätzen, Altersarmut, Fehlen der Grundgüter eines selbstbestimmten Lebens oder Krieg bedroht sind. Nur wenn diese vier Bedingungen gegeben sind, ist die Delegation von Macht an andere überhaupt verantwortbar, da sie nur dann sich nicht in eigene Ohnmacht verkehrt.</p>
<p>Viele Elemente dieser neuen solidarischen Entwicklung sind in der gegebenen kapitaldominierten Gesellschaft entstanden. Schon der alte Sozialstaat und alle anderen Versuche der Eindämmung des Kapitalismus seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert haben dazu beigetragen. Auch in Auseinandersetzung mit dem Neoliberalismus sind Ansätze dieses solidarischen Postneoliberalismus entstanden. Die sozialen und politischen Kämpfe gegen die kapitalistische Globalisierung auf lokaler wie globaler Ebene haben auch Keimformen einer partizipativen Demokratie entstehen lassen. Menschen haben begonnen, sich wieder neu zu engagieren, haben gegen alle Widerstände Ansprüche solidarischer Lebensweise entwickelt.</p>
<p>Die andere Welt entsteht nicht im Jenseits, sondern aus den heutigen Kämpfen und in ihnen. In unendlicher Vielfalt werden Keime des Neuen gebildet. Die solidarischen Kräfte in der Europäischen Union haben eine besondere Verantwortung. Nirgends sonst waren die Erfahrungen faschistischer Barbarei so furchtbar und die Gegenkräfte zum Kapital historisch so stark. Nirgends sonst wurden so umfassende Institutionen des Sozialstaats entwickelt. Auf der Grundlage einer sehr hohen technologischen Entwicklung ist hier eine Wende zur Nachhaltigkeit am ehesten möglich. Die Friedensordnung nach innen stellt eine starke Bremse gegenüber imperialer Politik dar. Die neoliberale Politik stieß auf immer heftigeren Widerstand in den letzten Jahren. Das Beispiel Lateinamerika kann Schule machen und verstärkt werden. „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“ (Friedrich Hölderlin) Aber dies geschieht nicht im Selbstlauf. Noch ist die Defensive der Linken in Europa nicht überwunden. Aber das Bewusstsein, dass es, wenn es <em>so </em>weitergeht, die Katastrophe ist (Walter Benjamin), ist allgemein geworden. Dies ist eine Chance, wenn sie denn ergriffen werden würde.</p>
<hr size="1" /><a name="_ftn1_6978" href="#_ftnref1_6978">[1]</a> Auszug aus ^Auswege aus der Krise des Neoliberalismus. Eine historische Erfahrung: Die Krise des Liberalismus und der Faschismus</p>
<p><a name="_ftn2_6978" href="#_ftnref2_6978">[2]</a> Garrett Hardin; The Tragedy of the Commons. In: Science, Vol. 162, No. 3859 (December 13, 1968), S. 1243 – 1248.</p>
<p><a name="_ftn3_6978" href="#_ftnref3_6978">[3]</a> Vgl. Michael Brie: Wer ist Eigentümer im Sozialismus. Berlin 1990.</p>
<p><a name="_ftn4_6978" href="#_ftnref4_6978">[4]</a> Haug, Frigga: Die Vier-in-einem-Perspektive. Politik von Frauen für eine neue Linke. Hamburg 2008, S. 20 f.</p>
<p><a name="_ftn5_6978" href="#_ftnref5_6978">[5]</a> „Die neue Gesellschaft und der neue Mensch werden nur Wirklichkeit werden, wenn die alten Motivationen &#8211; Profit und Macht &#8211; durch neue ersetzt werden: Sein, Teilen, Verstehen; wenn der Marktcharakter durch den produktiven liebesfähigen Charakter abgelöst wird und an die Stelle der kybernetischen Religion ein neuer, radikal-humanistischer Geist tritt.&#8221; Erich Fromm: Haben oder Sein. Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft. München 2000, S. 192.</p>
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