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Archiv für Mai, 2009

Vortrag: Marxismus & Feminismus

30. Mai 2009 Keine Kommentare

Auf Einladung des schweizer revolutionären Aufbaus spricht Frigga Haug über das Verhältnis von Marxismus und Feminismus. Zürich, November 2007.

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Publikation der Woche

28. Mai 2009 Kommentare ausgeschaltet
Quelle: Nachhaltigkeit.at

Die Vier-in-einem-Perspektive

Frigga Haug rückt in ihrem Buch „Die Vier-in-einem-Perspektive“ die Utopie einer gerechten Verteilung von Erwerbsarbeit, Familienarbeit, Gemeinwesenarbeit und Entwicklungschancen ins Zentrum der Betrachtung.

In den sechs Kapiteln „Entwurf“, „Erwerbsarbeit“, „Reproduktionsarbeit“, „Kulturelle Entwicklung“, „Politik von unten“ und „Nachträgliche Fundierung“ widmet sie sich u.a. folgenden Themen:

  • Eine Utopie von Frauen, die eine Utopie für alle ist
  • In der Arbeit zu Hause sein?
  • Arbeitspolitische Terrainverschiebung
  • Die Neue Mitte – Bewegungsmöglichkeiten im Neoliberalismus
  • Der Weg, der in die Welt, nicht ins Haus führt
  • Zeit für mich. Über das Privatisieren
  • Frauen – Opfer oder Täter?
  • Männergeschichte, Frauenbefreiung, Sozialismus
  • Frauenquote und Gender-Mainstreaming. Paradoxien feministischer Realpolitik
  • Geschlechterverhältnisse als Produktionsverhältnisse

Zur Autorin:
Frigga Haug war bis 2001 Professorin an der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik. Sie ist Mitherausgeberin und Redakteurin der Zeitschrift Das Argument, Redakteurin des Historisch-Kritischen Wörterbuchs des Marxismus und des Forum Kritische Psychologie. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Politik, Arbeit, weibliche Vergesellschaftung und Frauenpolitik, sozialwissenschaftliche Methoden und Lernen. (Quelle: Argument Verlag)

KategorienRezension & Rezeption Tags:

Eine Arbeitswelt, für die es sich zu kämpfen lohnt

21. Mai 2009 Kommentare ausgeschaltet

Grüne Bildungswerkstatt Wien

A-1070 Wien, Neubaugasse 8

TextePolitik & ÖkonomieKapitalismus-Kritik / 28.04.2009 / Philip Taucher

Eine Arbeitswelt, für die es sich zu kämpfen lohnt

Frigga Haug bietet mit ihrer Vier-in-einem-Perspektive Orientierungspunkte für solch einen Kampf. In Wien diskutierte sie diese mit  politischen AktivistInnen im Rahmen des Lesekreises Die feministische Neudefinition von Arbeit und einer Buchvorstellung (Eine neue Utopie des Arbeitens – die Vier-in-einem-Perspektive).


Wir  überarbeiten uns und gleichzeitig produzieren wir Arbeitslosigkeit. So rastlos wir durch unser Erwerbsleben eilen, so teilnahmslos beäugen wir die politischen Entwicklungen um uns. Wir wetteifern im Rennen um die besten Bildungstitel und nehmen es gleichzeitig hin, dass viele Menschen in unserer unmittelbaren Umgebung weder ausreichend lesen noch schreiben können. Die meist unbezahlte Hausarbeit schätzen wir kaum. Jenen, die nicht von der eigenen, sondern von der Arbeit anderer – von ihrem Vermögen – leben, bringen wir dagegen Bewunderung entgegen.

Die Widersprüche unserer derzeitigen Arbeitswelt schreien nach einer Alternative. Frigga Haug benennt in ihrem Buch „Die Vier-in-einem-Perspektive“ diese Widersprüche und bietet eine Alternative.  Die Sozialwissenschafterin und wesentliche Mitstreiterin feministischer Bewegungen versammelt darin Beiträge aus den letzten 30 Jahren ihrer politischen und wissenschaftlichen Arbeit. Damit knüpft sie an begonnene politische Kämpfe an, wenn sie ihre Orientierungspunkte für eine zukünftige Arbeitswelt entwirft.

Viermal täglich arbeiten

Haug geht es um eine radikale Umverteilung und einen erweiterten Begriff von Arbeit. Die Erwerbsarbeit solle nicht mehr allein im Vordergrund stehen. Gleich viel Zeit und Energie solle jeweils drei weiteren Bereichen der menschlichen Arbeit zukommen:

  • erstens,  der gemeinsamen Gestaltung der Gesellschaft – dem politischen Arbeiten
  • zweitens, der Entwicklung und Entfaltung der menschlichen Fähigkeiten – der Selbstentwicklung
  • und drittens, der Familien-, Haus-, Erziehungs-, Pflege- und Gemeinschaftsarbeiten, sowie der Arbeiten an der Natur – der Sorge-Arbeiten

Diese vier Bereiche seien Haug zufolge nicht als von einander getrennt zu betrachten, sie fließen ineinander über. Alle Menschen sollten in allen vier Bereichen tätig sein. Dem entsprechend müsse Politik um die Arbeit immer alle  Bereiche berücksichtigen. In dieser “Vier-in-einem-Perspektive” müsse insgesamt weder mehr oder weniger gearbeitet werden, noch sei geringerer Wohlstand zu befürchten. Vielmehr bedürfe es nur einer Umverteilung und Neuorganisation jener Arbeiten, die bereits heute schon geleistet werden. Haug betont, dass sich mit dieser Perspektive Probleme wie Arbeitslosigkeit, Unvereinbarkeit von Beruf und Familie sowie die Einseitigkeit von Arbeit nicht mehr stellen würden.
Sie präsentiert die Vier-in-einem-Perspektive als ein Stück konkreter Utopie: Es sei eine Vision, die bei den gegebenen gesellschaftlichen Verhältnissen ansetze. Und sie gebe Orientierung für den Kampf zur Veränderung dieser Verhältnisse.

Lesearbeit

Für die TeilnehmerInnen des von der Grünen Bildungswerkstatt Wien und GRAS (Grünalternative StudentInnen) organisierten Lesekreises verlangten Haugs fundierte theoretischen Überlegungen zu Marx, Luxemburg & Co einige Lesearbeit ab. Zur Veranschaulichung durchsetzte Haug diese Ausfühungen in ihrem Buch mit lebhaften Erinnerungen aus dem eigenen Leben und den Auseinandersetzungen in den feministischen Bewegungen. Wo Haug aus bekannten Volksmärchen ideologische wie befreiende Lehren über die Arbeit destillierte oder mit prägnanten Formulierungen mit der Ideologie der Hartz-Reformen in Deutschland abrechnete, wurde die Lesearbeit schnell zum Vergnügen.

Teilzeitarbeit für alle!

In der Diskussion mit Frigga Haug stand im Lesekreis wie auch bei der Buchvorstellung an der Technischen Universität in Wien der Kampf um eine neue Arbeitswelt im Vordergrund. So wie man die vier bereits genannten Arbeitsbereiche zusammendenken müsse, gelte es auch im politischen Kampf der ArbeiterInnenbewegungen, Ökologiebewegungen, feministischen Bewegungen, Lernbewegungen und den Kampf gegen politische Ausgrenzung zusammenzubringen, betonte Haug. Damit dieser Kampf für die Betroffenen positive Veränderungen bringe, müsse er von ihnen selbst, also von unten, geführt werden. Gerade jetzt müsse man jede Art der politischen Beteiligung der Menschen fördern, damit der Unmut nicht in politische Teilnahmslosigkeit zerfließe und immer größere Teile der Bevölkerung nach rechts abdriften, warnte Haug.

Die Forderung nach einer radikalen Verkürzung der Erwerbsarbeitszeit auf vier Stunden pro Tag wäre vor dem Hintergrund der “Vier-in-einem-Perspektive” ein Anknüpfungspunkt für weitere Kämpfe. Eine solche Reduktion würde den Raum schaffen, auch alle anderen Arbeitsbereiche politisch zu thematisieren, argumentierten TeilnehmerInnen des Lesekreises. Haug legte dafür als Strategie nahe, was Rosa Luxemburg „revolutionäre Realpolitik“ nannte. Dabei gelte es eine Reformpolitik auf Basis der aktuellen Bedingungen zu verfolgen. Gleichzeitig müsse man an einer Vision festhalten, die das Fundament, auf dem die Reformpolitik steht, stets unsicher macht. Taktisch sei im bestehenden System zu kämpfen, jedoch strategisch an dessen Überwindung zu arbeiten. Dazu brauche es sowohl politische Arbeit in den Volksvertretungen und Medien, als auch den Arbeitskampf und die Androhung möglicher Gewalt von der Straße.

Dem Vorschlag aus dem Publikum, das bedingungslose Grundeinkommen als zentrale Forderung im Kampf um Arbeit einzubringen, begegnete Haug wie auch viele andere MitdiskudantInnen mit Skepsis. Die Forderung nach einem Grundeinkommen drohe für Haug zu einem Ruf nach „Brot und Spielen“ zu verkommen, wenn sie nicht mit Forderungen nach Mitbestimmung über den Produktionsprozess und der Umverteilung unbezahlter Sorge-Arbeit verbunden sei.

Abschließend rief Haug alle Anwesenden dazu auf, selbst an der Vier-in-einem-Perspektive weiterzuarbeiten, eigene Arbeitserfahrungen einzubringen und diesen „politischen Kompass“ weiter zu verbreiten.
Live-Mitschnitt der Diskussion auf Radio Orange

Literaturhinweis:

Frigga Haug: Die Vier-in-einem-Perspektive. Politik von Frauen für eine neue Linke. Argument Verlag (Hamburg) 2008.

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