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<title>Vier-in-einem-Perspektive: Recent Posts</title>
<link>http://www.vier-in-einem.de/forum/</link>
<description>Forum Politik von Frauen für eine neue Linke</description>
<language>en</language>
<pubDate>Sat, 04 Feb 2012 22:08:54 +0000</pubDate>

<item>
<title>philiptaucher am "neue rezension des Buches im standard"</title>
<link>http://www.vier-in-einem.de/forum/topic.php?id=5#post-17</link>
<pubDate>Don, 17 Sep 2009 17:47:06 +0000</pubDate>
<dc:creator>philiptaucher</dc:creator>
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<description>&#60;p&#62;&#60;a href=&#34;http://diestandard.at/fs/1252771507827/Rezension-Immer-diese-Widersprueche&#34; rel=&#34;nofollow&#34;&#62;http://diestandard.at/fs/1252771507827/Rezension-Immer-diese-Widersprueche&#60;/a&#62;
&#60;/p&#62;</description>
</item>
<item>
<title>frigga am "Arbeitsbegriff bei Marx"</title>
<link>http://www.vier-in-einem.de/forum/topic.php?id=4#post-15</link>
<pubDate>Son, 24 Mai 2009 12:05:05 +0000</pubDate>
<dc:creator>frigga</dc:creator>
<guid isPermaLink="false">15@http://www.vier-in-einem.de/forum/</guid>
<description>&#60;p&#62;Immer im Gedränge mit den vielfältigen gedanken, die am arbeitsbegriff kleben, wollte ich für alle noch einmal einige stücke von Marx schicken - es nützt, die eigenen gedanken zu schärfen - und es ist grundlage für 4 in 1 allgemein.&#60;/p&#62;
&#60;p&#62;herzlich frigga&#60;br /&#62;
Marx fand in der philosophischen Tradition und den neueren Entwicklungen der politischen Ökonomie (Smith, Ricardo) schon einen Arbeitsbegriff vor, der widersprüchlich bestimmt war. Arbeit, das war zunächst Tätigkeit der Armen; sie war mühselig, erschöpfte die Lebensgeister oder war für viele gar an die Stelle des Lebens getreten. Aber Arbeit war auch Quelle des Reichtums und aller Werte. Marx zitiert den Satiriker Mandeville: » ... aber es ist das Interesse aller reichen Nationen, dass der größte Teil der Armen nie untätig sei und sie dennoch stets verausgaben, was sie einnehmen ... Diejenigen, die ihr Leben durch ihre tägliche Arbeit gewinnen, haben nichts, was sie anstachelt, dienstlich zu sein außer ihren Bedürfnissen, welche es Klugheit ist zu lindern, aber Narrheit wäre zu kurieren. Das einzige Ding, das den arbeitenden Mann fleißig machen kann, ist ein mäßiger Arbeitslohn. ... Aus dem bisher Entwickelten folgt, dass in einer freien Nation, wo Sklaven nicht erlaubt sind, der sicherste Reichtum aus einer Menge arbeitsamer Armen besteht.« (Mandeville, 1728, 212-3, 328. Zit. nach Marx, Kapital, Bd. 1, MEW 23, 643)&#60;br /&#62;
Marx arbeitet in diesem Spannungsfeld – Arbeit als Bindeglied zwischen Armut und Reichtum als widersprüchliche Grundlage beider – seinen Arbeitsbegriff aus. Er begreift Arbeit zunächst als Dimension von Herrschaft. In der Perspektive der Arbeiteremanzipation ist die allgemein menschliche Emanzipation enthalten, weil »die ganze menschliche Knechtschaft in dem Verhältnis des Arbeiters zur Produktion involviert ist und alle Knechtschaftsverhältnisse nur Modifikationen und Konsequenzen dieses Verhältnisses sind« (Manuskripte 44, MEGA I,2, 373 f.; MEW 40, 521).&#60;br /&#62;
Noch ganz in Anlehnung an Hegel denkt Marx in seinen Frühschriften Arbeit als Verkehrung und Entwirklichung. Die Verkehrung erstreckt sich auf das gesamte Leben durch eine Mittel-Zweck-Vertauschung. Dabei wird die produktive Teilnahme am Gattungsleben zum bloßen Mittel, das Leben zu fristen, statt es zu verwirklichen (vgl. MS 44; MEGA I,2, 369; MEW 40, 516). Diese Vorstellung, dass Arbeit selbst Herrschaft ist, unterscheidet noch nicht die stoffliche Seite von den ökonomischen Formen und kommt daher zum logischen Schluss, dass Arbeit selbst abgeschafft gehöre. »Es ist eines der größten Missverständnisse«, schreibt Marx in seinen Notizen zu List, »von freier menschlicher, gesellschaftlicher Arbeit, von Arbeit ohne Privateigentum zu sprechen. Die Arbeit ist ihrem Wesen nach die unfreie, unmenschliche, ungesellschaftliche, vom Privateigentum bedingte und das Privateigentum schaffende Tätigkeit. Die Aufhebung des Privateigentums wird also erst zu einer Wirklichkeit, wenn sie als Aufhebung von Arbeit gefasst wird« (zit. nach List, 1982, 459f). Während »in allen bisherigen Revolutionen die Art der Tätigkeit stets unangetastet blieb und es sich nur um (...) eine neue Verteilung der Arbeit an andere Personen handelte«, soll nun »die Arbeit beseitigt« werden (Deutsche Ideologie, MEW 3, 69f).&#60;br /&#62;
Ein Gegenbegriff zur (entfremdeten) Arbeit ist im Kontext der des »universellen Produzierens«, etwa als ein »Formieren« »nach den Gesetzen der Schönheit«. Wenn Arbeit als Kapitalmacht über Menschen gilt, so ist das Kapital »der sich ganz abhanden gekommene Mensch« (ebd, 376).&#60;br /&#62;
Marx hält also auch in den Frühschriften nicht Arbeit im Sinne des produktiven Stoffwechsels Mensch-Natur für aufhebbar, sondern indem er Arbeit als Verkehrung produktiver Tätigkeit denkt, zwingt er dazu, zu rekonstruieren, was in die Form der Arbeit geriet und deformiert wurde, was es also hier zu befreien gilt. In entfremdeter Form findet Marx: freie Lebensäußerung; Lebensgenuss; Selbstbetätigung, Teilhabe am menschlichen Gemeinwesen, humanisierte Bedürfnisbefriedigung, Liebesfähigkeit (vgl. MEW 40, 462f), allseitige Entwicklung der Individuen, Verkehr der Individuen als solcher (Deutsche Ideologie, MEW 3, 68); bewusste, freie Lebenstätigkeit als Gattungswesen (MS 44, MEGA I,2, MEW 40, 516f). Die Betonung liegt auf der freien oder Selbsttätigkeit, die gattungsspezifisch gedacht ist. Als Gattungswesen sind die Menschen produktiv füreinander tätig; dies bestimmt ihren Verkehr untereinander, das Gemeinwesen und ihre Entwicklung als Individuen. Diese freie Betätigung ist Genuss. Das Leben selbst ist eine genussvolle Produktion.&#60;br /&#62;
Wenn wir von solchen Bestimmungen ausgehen, können wir »Selbstbetätigung als erstes Lebensbedürfnis fassen«; wir könnten die Gemeinschaft als produktiven Rahmen denken; und wir könnten auch über die Entwicklung der Individuen durch eigene freie Betätigung sprechen – wir gelangten aber niemals zu der modernen soziologischen Abwehr, dass Arbeit nicht länger im Zentrum von Gesellschaftstheorie stehen solle (wie dies bei Marx geschah), sondern durch Kommunikation oder Lebensweise (Lebenswelt) ersetzt werden solle. Es ist ganz klar, dass Marx nicht zwischen Lebenswelt und Arbeitswelt unterschied, sondern dass er vielmehr das, was heute »Lebenswelt« heißt, umstürzen wollte. Er begreift sie in der Perspektive als den genussvollen tätigen Zusammenhang der Individuen eines Gemeinwesens. Hier sind die »Interaktion«, die Liebe und das Leben eingeschlossen, wenngleich Marx als Leben immer tätiges Leben meint.&#60;br /&#62;
Unser Leben ist durch die Produktionsverhältnisse entfremdet, durch die Weise, wie die Menschen ihr materielles Leben produzieren. Vereinfacht gesprochen tun sie dies im Laufe der Geschichte anfänglich so, dass einige der freien Selbstbetätigung frönen, während die anderen die materielle Existenz für alle produzieren. »Während in den früheren Perioden Selbstbetätigung und Erzeugung des materiellen Lebens dadurch getrennt waren, dass sie an verschiedene Personen fielen und die Erzeugung des materiellen Lebens wegen der Borniertheit der Individuen selbst noch als eine untergeordnete Art der Selbstbetätigung galt, fallen sie jetzt so auseinander, dass überhaupt das materielle Leben als Zweck, die Erzeugung dieses materiellen Lebens, die Arbeit (welche die jetzt einzig mögliche, aber wie wir sehen, negative Form der Selbstbetätigung ist), als Mittel erscheint.« (Deutsche Ideologie, MEW 3, 67)&#60;br /&#62;
Selbstbetätigung als Befreiungsperspektive ist bezogen auf die Produktion des materiellen Lebens – die Beziehung ist wesentlich, um ein Leben ohne Herrschaft überhaupt denken zu können. Die Produktion des Lebens durchläuft mehrere Stufen – eine Form ist die der Arbeit. Sie ist die direkteste Form der Verkehrung, »negative Form der Selbstbetätigung«. So ist das Leben entzweit. In dieser negativen Form entfaltet Marx analytische Kategorien, die er auch später im Kapital beibehält. Die »Entäußerung des Arbeiters in seinem Produkt hat die Bedeutung, (...) dass das Leben, was er dem Gegenstand verliehen hat, ihm feindlich und fremd gegenübertritt« usw. (MEW 40, 236, 511ff).&#60;br /&#62;
Schon hier erkennen wir seinen späteren Sprachgebrauch. Die globale Verurteilung von Arbeit wird vom reiferen Marx ersetzt durch eine Differenzierung ihrer Formbestimmtheiten zum einen, ihrer Naturnotwendigkeit zum anderen. Über Arbeit sagt Marx jetzt: Als »nützliche Arbeit« ist »die Arbeit eine von allen Gesellschaftsformen unabhängige Existenzbedingung, ewige Naturnotwendigkeit, um den Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur, also das menschliche Leben zu vermitteln« (Kapital I, MEW 23, 57, ähnlich 192; fast gleichlautend in Zur Kritik der Politischen Ökonomie, MEW 13, 23f). Arbeit hat also immer auch eine anthropologische Dimension: indem das arbeitende Individuum die Natur außer ihm verändert, verändert es zugleich seine eigene Natur (vgl. MEW 23, 192).&#60;br /&#62;
In ihrer entfremdeten Form ist Arbeit von zwieschlächtiger Natur. Auf der einen Seite produziert sie Gebrauchswerte, ist konkret-nützlich, und ist in dieser Weise unabhängig von aller Gesellschaftsformation. Auf der anderen produziert sie Tauschwerte, ist Verausgabung von abstrakt-menschlicher Arbeitskraft und bildet so den Warenwert. Dies geschieht nur unter bestimmten gesellschaftlichen, privat-arbeitsteiligen Verhältnissen. Die Verkehrungen oder Entfremdungen aus diesem Zusammenhang sind sorgfältig im Kapital analysiert. Die Erkenntnis vom Doppelcharakter der Arbeit ist für den Kapitalismus als warenproduzierende Gesellschaft grundlegend. Immer aber bleibt die Produktion der materiellen Existenz als eine Form freier Betätigung bestimmende Perspektive auch für die kritische Analyse. Sie enthält die Vorstellung von herrschaftsfreier Produktion und von daher die Abschaffung des Privateigentums (als Akkumulation von Tauschwerten) als regelndes Prinzip, als auch die Versöhnung mit der Natur aus der Kenntnis der Naturgesetze. Es geht darum, den Zweck der Tätigkeit und das Maß der Verausgabung in ein Verhältnis zueinander zu bringen, dass fremdbestimmte Über- und Unterordnung der spannungsgeladenen Dimensionen von Tätigkeit ausgeschlossen werden. Die Emanzipation der Menschen liegt demnach in der entwickelnden Verausgabung von Kraft zum gemeinschaftlich selbstbestimmten Zweck. Dieser Gedanke verbindet die Früh- mit den Spätschriften.&#60;br /&#62;
Freie Lebenstätigkeit wird dabei als Prozess gefasst. In Frage steht das Verhältnis zwischen Freiheit und Notwendigkeit. Als eine Seite der materiellen Produktion sollten die Zwänge der Notwendigkeit so weit wie möglich zurückgedrängt werden zugunsten freier Betätigung. Im Reich der Notwendigkeit wird Arbeit ein Verteilungsproblem – jeder sollte den gleichen Anteil notwendiger Arbeit vollbringen. Im Reich der Freiheit ist die Tätigkeit von anderer Art, in der die überkommene Arbeitsteilung und vor allem die zwischen geistiger und köprerlicher Arbeit nicht mehr gilt. Der Weg dahin geschieht durch die Entwicklung der Produktivkräfte, die die Seite der Notwendigkeit in der Produktion des materiellen Lebens ermäßigen. Und er geschieht auch durch die Teilung der menschlichen Arbeit, ihre Entfremdung. Entfremdete Arbeit muss gewaltsam überwunden werden in einem Prozess, in dem der Mensch schließlich die von ihm geschaffenen Produktivkräfte sich gewaltsam aneignet. Die gesamten Produktionsverhältnisse müssen umgestürzt werden, da diese Verhältnisse die menschliche Gattung bis zu dem Punkt verkehrt haben, an dem alle Entwicklung, aller Reichtum, Kultur und die gegenständlichen Arbeitsbedingungen sich gegen die Arbeitenden versachlichten und zur Macht über sie wurden. Dieser Widerspruch kann nur durch einen Bruch in eine neue Form gebracht werden.&#60;br /&#62;
In der Kritik des Gothaer Programms umreißt Marx die kooperative Phase der Gesellschaft (gesellschaftlicher Besitz an Produktionsmitteln), die – eben weil sie aus der kapitalistischen Gesellschaft hervorgeht – die Geburtsmale dieser Gesellschaft trägt »in jeder Hinsicht, ökonomisch, sittlich, geistig«. Er fährt fort, eine entwickeltere »kommunistische Gesellschaft« zu beschreiben, eine Gemeinschaft, welche die Verkehrungen der Arbeit überwunden hat, und erst in diesem Zusammenhang begegnen wir dem Satz über die »Arbeit als erstes Lebensbedürfnis«. » ... nachdem die knechtende Unterordnung der Individuen unter die Teilung der Arbeit, damit auch der Gegensatz geistiger und körperlicher Arbeit verschwunden ist«, wird Arbeit für die Individuen nicht mehr »nur Mittel zum Leben, sondern selbst das erste Lebensbedürfnis« (MEW 19, 19f). Diese Bemerkungen haben zu einem weit verbreiteten Missverständnis geführt. Unter Berufung auf Marx konnten Einzelne beschuldigt werden, »arbeitsscheu« zu sein, um dann zu Menschen »erzogen« zu werden, denen »Arbeit ein erstes Lebensbedürfnis« war. Schlimmer noch war der in diesem Kontext geäußerte Satz: »Jedem nach seinen Bedürfnissen«, der Hoffnungen und Befürchtungen wachrief, Marx könne eine Gesellschaft herbeigesehnt haben, in der die durch kapitalistische Überflussproduktion geformten Bedürfnisse allesamt befriedigt würden und umgekehrt auch eben solche, die durch jetzige Armut bestimmt seien. Dabei ist der Zusammenhang unzweideutig: Wenn es den Menschen gelingt, sich dank einer angemessenen Organisation der Produktion aus materieller Not und Herrschaft zu befreien, dann ist die Erzeugung des materiellen Lebens ihnen produktiver Genuss und Entfaltung ihrer Fähigkeiten. Dieses Bedürfnis werden sie leben können und insofern ihr Menschsein verwirklichen. Dies schließt die Aufhebung der Arbeitsteilungen ein, welche die Entzweiung der menschlichen Arbeit als Grundlage von Gesellschaftsformationen hervorbrachte: die Teilung in Hand- und Kopfarbeit, in Männer- und Frauenarbeit, in Stadt- und Landarbeit und schließlich auch die herrschaftliche Pseudo-Arbeits-Teilung, die Klassenspaltung der Gesellschaft in Arbeitende und Nicht-Arbeitende. Wenden wir uns mit diesen Ausführungen den zuvor aufgeworfenen Fragen zu.&#60;br /&#62;
Es versteht sich von selbst, dass wir nicht ohne Umschweife von Arbeit sprechen können, sondern immer ihre Formbestimmtheit in Rechnung stellen – ein Umstand, der dauernd übersehen wird. Der Mangel an Unterscheidung beim Sprechen über Arbeit ist überhaupt die Quelle der meisten Missverständnisse. Wir reden zum Beispiel über Lohnarbeit, halten sie für eine allgemeine Bestimmung und kritisieren mit diesem Verständnis die Rede von der Arbeit als erstem Lebensbedürfnis. Und umgekehrt ist die Erziehung von Menschen zu diesem ersten Lebensbedürfnis nicht nur sinnlos, sie bedeutet zumeist auch nicht mehr, als Menschen dazu zu erziehen, Lohnarbeit zu akzeptieren, eine Erziehung, die von der Unterwerfung unter die Betriebsdisziplin nicht unterschieden werden kann. Wenn wir dagegen über den »Gehalt« sprechen wollen, der in unseren Gesellschaften in die Form der Lohnarbeit geraten ist, schlage ich vor, den Begriff »Selbstbetätigung bei der Produktion materieller Existenz« zu benutzen.&#60;br /&#62;
Ich vergleiche die Marxschen Argumente mit den feministischen Vorwürfen aus der Hausarbeitsdebatte und tue dies zugleich mit feministischem Blick. Dafür habe ich einige seiner eher vergessenen Vorstellungen wieder hervorgeholt, um ihm für unsere Fragen mehr Gewicht zu geben. Statt Marx rasch auf den Müllhaufen der Geschichte zu werfen, trete ich also einen Schritt zurück und prüfe, ob die Frauenbewegung keinen besseren Gebrauch von seiner Aussage über die »genussvolle freie Betätigung bei der Produktion des materiellen Lebens« machen könnte. Tatsächlich positioniert Marx selbst die Frage der Frauenunterdrückung in den Kontext entfremdeter Arbeit: »Die freilich noch sehr rohe, latente Sklaverei in der Familie ist das erste Eigentum, das übrigens hier schon der Definition der moderen Ökonomie entspricht, nach der es Verfügung über fremde Arbeit ist.« (Deutsche Ideologie, MEW 3, 32)&#60;br /&#62;
Ich habe große Schwierigkeiten, für die Vorwürfe aus der Frauenbewegung eine Grundlage in den Marxschen Ausführungen zu finden. Zwar kommt er (in den Frühschriften) eher auf den Gedanken, die gesamte Arbeit abzuschaffen, als nicht-lohnförmige Frauenarbeit einfach einzuschließen, aber es steht doch außer Frage, dass er die bestimmte Verkehrung, die einem Teil der menschlichen Arbeitstätigkeiten durch die Überführung in die Lohnform angetan wird, als Grundlage für die Analyse der kapitalistischen Gesellschaft betrachtet und nicht alle gesellschaftliche Arbeit, und dass dies für Kapitalismuskritik notwendig ist. Und ist dann nicht, was Marx sich als perspektivische menschliche Gesellschaft und die in ihr lebenden Individuen dachte, so konstruiert, dass die Frage von Frauenunterdrückung in ihrer Mischung von »natürlichen« und sozialen Grundlagen eine explosive Dynamik erhält? Die geschlechtliche Arbeitsteilung ist in geradezu teuflischer Weise in die Arbeitsteilung von Lebensproduktion und Lebensmittelproduktion eingeschrieben und ebenso in die weitere Teilung in Arbeit und freie gemeinschaftliche Tätigkeit. Der Bereich des wirklichen Lebens ist vom Standpunkt der Lebensmittelproduktion an den Rand gedrängt und mit ihm die Menschen, die ihn hauptsächlich bevölkern, Frauen. Gleichzeitig ist die Arbeit im Zentrum von Gesellschaft entfremdet, so dass alle Hoffnung auf Befreiung illusionär verschoben ist in Richtung auf die lebendige Tätigkeit an den Rändern der Gesellschaft. Von Frauen, die immer weiter unterdrückt werden, wird irrationalerweise erwartet, die Last gesellschaftlicher Hoffnung auf ein besseres Leben zu verkörpern, auf Freude und sinnlichen Genuss.&#60;br /&#62;
Bei Marx finden wir auch die Formulierung: der »Arbeiter fühlt sich daher erst außer der Arbeit bei sich und in der Arbeit außer sich. Zu Hause ist er, wenn er nicht arbeitet, und wenn er arbeitet, ist er nicht zu Haus.« (MEGA I,2, 238f) Nicht ohne gewisse Berechtigung wurde auch diese Bemerkung Ziel feministischer Kritik. Spricht sie nicht vom Standpunkt des männlichen Arbeiters und übersieht die Lage der Hälfte der Menschheit, die in der Tat zu Hause arbeitet, und daher auch arbeitet, wenn sie zu Hause ist? (Vgl. Ivecovic, 1984) Jedoch übersieht solche Kritik wiederum das Problem, auf das Marx anspielt. Es handelt sich doch um eine doppelte Spaltung: zum einen die Trennung von sinnlichem Genuss und Sinn des Lebens von der Arbeit; und zum anderen um die Teilung der Arbeit in bezahlte Arbeit und solche, die nichts gilt. Dies meint die Metapher »er ist nicht zu Hause, wenn er arbeitet«. In dieser Verkehrung besetzen Frauen das Zuhause, diesen randständigen Bereich, der auch Zuflucht ist, ein verkehrter Ort der Hoffnung. Die unterdrückerische Idealisierung von Frauen wird wesentlich für das Überleben des männlichen Lohnarbeiters. Und sie ist festgeschrieben in der Zusammenarbeit der beiden Geschlechter in der Familie. Es kann also nicht darum gehen, die Frauenarbeit, so sie zu Hause geschieht, auch und zusätzlich zu benennen, sondern darum, diesen gegensätzlichen Spannungszusammenhang von Hausarbeit und Lohnarbeit näher zu analysieren.&#60;br /&#62;
Wäre es nicht eine revolutionäre Tat, in dieses System einige Unordnung zu bringen als Basis für eine andere Ordnung? Wenn wir die randständigen Bereiche des Lebens befreien wollen, müssen sie verallgemeinert und daher neu bewertet werden. Gleichzeitig muss der Bereich der gesellschaftlichen Arbeit, der derzeit privilegiert ist, von Frauen besetzt und dabei seine Autorität geschwächt werden. Sobald sich die beiden Geschlechter die verschiedenen Betätigungsfelder teilen, wird ein Herrschaftselement, das bislang die alte zerstörerische Ordnung gefestigt hat, ins Wanken gebracht. Dies ist nach meiner Sicht eine Vorbedingung, um das »Zuhause zurück in die Arbeit« zu bringen. Damit wird die Frauenbewegung für die Vermenschlichung der Gesellschaft entscheidend.&#60;br /&#62;
Die Unruhe, die die Hausarbeitsdebatte trotz aller Problematik und auch unfruchtbaren Zurückweisung von Marx in den etablierten Marxismus gebracht hat, sollte besser genutzt werden, um Rolle und Funktion von Frauenunterdrückung für die Reproduktion kapitalistischer Gesellschaften neu zu denken. Dabei kann sowohl die frühe Hoffnung, die Marx in die Arbeit setzte, wie auch seine scharfe Analyse des Schicksals der Lohnarbeit als zentrale Quelle des Profits und daher des kapitalistischen Fortschritts von aktuellem Nutzen sein. Ich glaube nicht, dass wir die Lage der Frauen dadurch verbessern können, dass wir die Hausarbeit in die Lohnarbeit und ihre Gesetze einschmuggeln und auf diese Weise die Marxsche Analyse um die Problematik nicht bezahlter Hausarbeit ergänzen.&#60;br /&#62;
Nach meinem Dafürhalten müssen wir in unserer Kritik andersherum vorgehen. Wenn wir versuchen, Hausarbeit selbst und ihre Rolle in den verschiedenen Stadien des Kapitalismus zu begreifen, stoßen wir auf eine ganz andere Problematik bei Marx, auf die ich mich im Folgenden konzentrieren möchte.
&#60;/p&#62;</description>
</item>
<item>
<title>Sabine Gruber am "Reader zu Arbeits- und Verteilungsgerechtigkeit"</title>
<link>http://www.vier-in-einem.de/forum/topic.php?id=3#post-14</link>
<pubDate>Mon, 16 Mar 2009 08:50:18 +0000</pubDate>
<dc:creator>Sabine Gruber</dc:creator>
<guid isPermaLink="false">14@http://www.vier-in-einem.de/forum/</guid>
<description>&#60;p&#62;Meine eigenen Überlegungen führen ebenfalls zu dem Schluss, dass wir von einem Tätigkeitsmodell mit gleichwertigen Arbeiten nebeneinander ausgehen müssen. Daher bin ich von Frigga Haugs Vorstoss in diese Richtung sehr angetan.&#60;/p&#62;
&#60;p&#62;Das Thema Arbeit beschäftigt uns auch bei Attac. Es wird implizit und explizit in verschiedenen Gruppen behandelt (z.B. ArbeitFairTeilan, FeministAttac, GenugFürAlle und in Österreich seid Herbst in der Gruppe arbeit/tätigsein).&#60;/p&#62;
&#60;p&#62;Da die Grundlagen noch wenig sortiert sind und eigentlich täglich wegweisende Entscheidungen anstehen, möchte ich gerne einen Reader mit verschiedenen AutorInnen initiieren. Folgende Themen scheinen mir für einen Reader zentral:&#60;/p&#62;
&#60;p&#62;Arbeitstitel: Perspektiven für mehr Arbeits- und Verteilungsgerechtigkeit&#60;br /&#62;
(Entwurf Sabine Gruber, Feb. 2009)&#60;/p&#62;
&#60;p&#62;Vorwort&#60;br /&#62;
- Idee und Ziel der Publikation&#60;/p&#62;
&#60;p&#62;1. Zur Zuspitzung am Arbeitsmarkt&#60;br /&#62;
Historische Entwicklung der Industriearbeit&#60;br /&#62;
- Wie ist die heute dominierende Vorstellung von „Normalarbeit“ entstanden?&#60;br /&#62;
- Exkurs zur Politischen Ökonomie – Warum wir in Profitraten denken&#60;br /&#62;
Ausgrenzung von Arbeit und Wohlstand&#60;br /&#62;
- Warum grenzt das männliche Familienernährer-Modell weibliche Reproduktionsarbeit aus?&#60;br /&#62;
- Warum grenzt das neoliberale Modell eine Reservearme aus (Frauen, Ethnische Gruppen, Regionen)?&#60;br /&#62;
- Was bedeutet das für den Zusammenhalt einer Weltgesellschaft? &#60;/p&#62;
&#60;p&#62;2. Die Suche nach neuen Perspektiven&#60;br /&#62;
Selbstbestimmung statt Entfremdung&#60;br /&#62;
- Warum funktioniert das neoliberale Wirtschaftsmodell nur mit entfremdeten „Humankapital“?&#60;br /&#62;
- Welche Ansätze gibt es zur Zusammenführung von Arbeit und Selbstbestimmung?&#60;br /&#62;
Versorgendes Wirtschaften statt unbezahlter Frauenarbeit&#60;br /&#62;
- Der „Urkonflikt“: Bezahlte vs. unbezahlte Arbeit&#60;br /&#62;
- Lösungsansätze: Feministische Vorschläge zu einer Gesamtsicht von Arbeiten und Leben&#60;br /&#62;
Nachhaltiges Wirtschaften statt Auslagerung von (Umwelt-) und Sozialkosten&#60;br /&#62;
- Gerechtigkeit innerhalb und zwischen den Generationen&#60;br /&#62;
- Gerechtigkeit innerhalb und zwischen den Gesellschaften/(Welt-)Regionen  &#60;/p&#62;
&#60;p&#62;3. Für uns Menschen arbeiten&#60;br /&#62;
Erwerbsarbeit – Reproduktionsarbeit – Eigenarbeit – Bürgerarbeit&#60;br /&#62;
- Wie bringen wir alle notwendigen Arbeiten untereinen Hut?&#60;br /&#62;
- Was wir von anderen Kulturen lernen können?&#60;br /&#62;
Wie wir leben und arbeiten wollen – Arbeitsbiographien und Lebensstile&#60;br /&#62;
- Perspektivenwechsel: Gutes Leben, Gute Arbeit, solidarische Ökonomie&#60;br /&#62;
- Veranschaulichung anhand idealtypischer Biographien &#60;/p&#62;
&#60;p&#62;4. Das Ziel und der Weg&#60;br /&#62;
Schritte des Gesellschaftsumbaus&#60;br /&#62;
- Zum langfristiger Umbau – Gestaltung des demokratischer Entscheidungsprozesses&#60;br /&#62;
- Aktuelle Forderungen – Voraussehende Weichenstellungen statt kurzsichtige Reparaturen&#60;br /&#62;
Die Ebenen gesetzlicher Regulierung&#60;br /&#62;
- Politische Hebel: global – supranational – national – regional – kommunal  (hier gehört auch die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung u.v.m. her)&#60;br /&#62;
- Die Rolle der Unternehmen und wirtschaftlichen InteressensvertreterInnen
&#60;/p&#62;</description>
</item>
<item>
<title>admina am "Forum 4in1"</title>
<link>http://www.vier-in-einem.de/forum/topic.php?id=1#post-1</link>
<pubDate>Don, 06 Nov 2008 20:23:26 +0000</pubDate>
<dc:creator>admina</dc:creator>
<guid isPermaLink="false">1@http://www.vier-in-einem.de/forum/</guid>
<description>&#60;p&#62;Das Forum soll der Debatte über die Vier in einem Perspektive dienen. Hier können Einwände, konkrete Fragen zur Umsetzung, Verknüpfungen in andere Bereiche und alles was sonst noch um 4in1 bewegt diskutiert werden.&#60;/p&#62;
&#60;p&#62;Zur Zeit gibt es zwei Foren:&#60;br /&#62;
&#60;strong&#62;Allgemein&#60;/strong&#62; - hier können allgemeine Beiträge geschrieben werden die für die Öffentlichkeit bestimmt sind.&#60;br /&#62;
&#60;strong&#62;4in1 Debatte&#60;/strong&#62; - Dieses Forum ist nur für angemeldete BenutzerInnen.&#60;/p&#62;
&#60;p&#62;&#60;strong&#62;Anmeldung:&#60;/strong&#62;Um Dich anzumelden klicke auf &#34;Register&#34;, Du bekommst dann eine Mail mit Deinem Passwort zugeschickt.&#60;br /&#62;
Wenn Du Dein Passwort vergessen hast, versuche Dich trotzdem anzumelden; wenn das nicht geklappt hat erscheint ein Button &#34;Passwort abfragen&#34; - den klickst Du an, dann bekommst Du eine Mail zugeschickt mit der Du dein Passwort zurücksetzen kannst.
&#60;/p&#62;</description>
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